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Ältere Menschen und Mobiltelefone - funktioniert das?

14. Juli 2004

Das Gesicht extrem angespannt, ein deutliches Indiz für totale Konzentration. Die Finger zittern ein wenig und suchen die richtige Taste, halten immer wieder ein, erste leise Flüche werden geäußert und kummulieren sich in einem lauten "Mist!". Der Versuch, selbständig eine SMS mit dem neuen Handy zu versenden, ist in diesem Moment gescheitert.

Die Frau, die verzweifelt auf ihr modisches Handy starrt, versucht es gleich noch einmal, mit ähnlich bescheidenen Resultaten. Die Frustration hat viele Gründe: die Tasten zu klein, das Display zu schwach beleuchtet, die Schrift nicht viel mehr als Fliegendreck und das, obwohl sie bereits auf maximaler Vergrößerung steht. Dazu noch eine Menüführung, die mit ihrer Vielfalt an Funktionen und Möglichkeiten zur Verwirrung einlädt. So sehen moderne Mobilfunktelefone nunmal aus.

Uns ist das schon länger bewusst, spätestens seitdem mit Edwin Braatz ein Fachmann für die Generation 50plus das Redaktionsteam des Barrierekompass verstärkt. Der fortschreitende Jugendwahn ist seit den Äußerungenen von Henning Scherf in der Ausgabe 10/2003 des Magazins brand eins ein Diskussionsthema in der Öffentlichkeit geworden:

Wir müssen den Kurs korrigieren. Das Dämlichste, was die 68er in die Welt gesetzt haben, ist der Jugendkult. Jetzt, wo sie selbst älter werden, merken sie mit Schrecken, wie kurzsichtig das war.

Das gilt auch und vor allem für jene Bereiche des Alltags, die von Technik dominiert sind. Die einfache Benutzung eines Handies gehört dazu und zwar nicht nur in Notfall-Situationen. Ältere Menschen würden die Vorzüge der Technik sicherlich umfassender nutzen, wenn die Benutzung dieser Geräte auf die Zielgruppe 50plus optimiert wäre. Ein Heidelberger Unternehmen nimmt sich den Bedürfnissen der Silver Surfer an und bietet für die stets wachsende Zielgruppe der Älteren optimierte Technik-Lösungen. Auch an einer Handy-Lösung arbeitet das Heidelberger Unternehmen Senio, bislang jedoch leider nur auf dem Papier beziehungsweise als Modell ohne Funktion. Ein Stück weiter ist hier das niederländische Unternehmen Secufone mit seinem Senioren-Handy. Keine Tastatur, dafür ein großes Farbdisplay und lediglich vier Tasten plus Touchscreen-Funktion. Zusätzlich wartet das Secufone mit durchdachten Lösungen für verbesserte Usability auf. Zu jeder Rufnummer lässt sich ein Foto abspeichern. Das hat den angenehmen Nebeneffekt, dass Senioren auch gleichzeitig ein Bild der Enkel oder der eigenen Kinder dabei haben. Beim Übertragen der Bilder auf das Handy soll eine Service-Zentrale helfen. Das niederländische Unternehmen hat sein Handy zudem mit einer Notfall-Funktion ausgerüstet, die auf Tastendruck aktiviert werden kann. Dieser Service ist jedoch nicht kostenlos, sondern muss zusätzlich abonniert werden.

Auf Notrufe ausgelegt ist auch ein Mobiltelefon von Vodafone, das auf den Namen Mobi Click hört und anlässlich der diesjährigen CeBIT vorgestellt wurde. Drei Tasten und kein Display - so die nüchterne Bestandsaufnahme des Betrachters. Ganz so spartanisch muss ein Mobiltelefon für Senioren nicht unbedingt daherkommen, aber sicherlich gibt es auch für dieses Produkt eine Marktnische. Die Zukunft gehört sicherlich Lösungen, wie sie von Secufone und Senio angestrebt werden.

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