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Hürden und Barrieren

Digitale Barrierefreiheit hilft vielen Menschen. (Blinder Mann mit Blindenstock und Smartphone)

Nach Angaben des Statistischen Bundesamtes wurden in Deutschland zum Jahresende 2019 insgesamt 7,9 Millionen schwerbehinderte Menschen gezählt. 2009 waren es noch 7,1 Millionen Menschen. Das entspricht einem Zuwachs von über 10 Prozent in zehn jahren. Da Menschen mit leichter und mittlerer Behinderung in diesen Zahlen gar nicht enthalten sind, liegt die tatsächliche Zahl von Menschen mit einer Behinderung deutlich höher und vermutlich eher bei über 10 Millionen Menschen alleine in Deutschland. Der Verein für Behinderte in Gesellschaft und Beruf in Deutschland schätzt, dass sogar jeder fünfte deutsche Internetnutzer aufgrund von einer körperlichen Einschränkung Schwierigkeiten mit der Nutzung des Internets hat.

Barrieren sind relativ zur jeweiligen Behinderung

Behinderung kann temporär sein. Ein junger Mann mit Gipsarm liegt auf dem Rücken, ein Laptop auf dem Bauch. Er nutzt die Tastatur zur Bedienung.

So unterschiedlich Einschränkungen und Behinderungen ausfallen, so unterschiedlich werden Barrieren wahrgenommen. Für Menschen, die nicht oder nur schlecht lesen können, sind geschriebene Texte ansich schon ein Hürde. Die gleichen Texte als Audio-Datei sind für Analphabeten natürlich eine erhebliche Erleichterung, für gehörlose Menschen hingegen unzugänglich. Und das ist ein Beispiel von vielen. Für manche Zielgruppen können Internetauftritte und digitale Services ggf. keine oder kaum Barrieren aufweisen, wohingegen andere Zielgruppen teilweise oder komplett ausgeschlossen sein können. Für blinde Menschen, die auf einen Screenreader angewiesen sind, sind Informationen ohne maschinenlesbare Alternative in der Regel unzugänglich. Andere Menschen würden diese Barrieren erst bemerken, wenn sie selbst auf einen Screenreader angewiesen sind. Von vielen Barrieren sind also manche Zielgruppen stärker betroffen als andere. Menschen, die auf einen Screenreader und/oder Tastatur angewiesen sind, haben mit interaktiven Widgets oft größere Probleme, als Menschen, die eine Maus als Eingabegerät und einen Desktop-Monitor als Ausgabegerät verwenden können. Barrieren sind also relativ zur jeweiligen Behinderung, weshalb Sie sich neben den technischen, gestalterischen und inhaltlichen Aspekten der digitalen Barrierefreiheit auch mit dem Faktor Mensch befassen sollten.

Barrieren sind so vielfältig, wie die Nutzer im Netz

Viele Menschen werden auf verschiedenste Art und Weise durch unterschiedliche Barrieren davon abgehalten, Inhalte und Dienstleistungen über das Internet zu beziehen:

  • Fehlende Alternativtexte für Bilder, Grafiken und grafische Funktionselemente
  • Unbeschriftete Formular-Elemente und mangelndes Fehlerhandling
  • Kein Möglichkeit der Steuerung ohne Computer-Maus (Tastaturbedienung)
  • Schlechte Kontraste, ungünstige Farbkombinationen, inhaltlicher Bezug auf Farbwahrnehmung
  • Zu kleine und unbeschriftete, grafische Navigations- und Bedienelemente
  • Zu lange, komplizierte oder mehrsprachige Texte (ohne Sprachauszeichnung)
  • Fehlende inhaltliche Semantik durch Missbrauch von Strukturelementen
  • Nutzung von unzugänglichen Audio- und Video-Inhalten ohne Untertitel oder Transscript
  • Unzugängliche PDF-Dokumente ohne Alternative
  • JavaScript-Widgets ohne Semantik oder Maus unabhängige Eventhandler
  • Komplexe und verschachtelte Menüs sowie inkonsitente Navigationskonzepte

Allein durch die Beseitigung der oben genannten Barrieren wird zusätzlich für bis zu 20% der Bevölkerung der sinnvolle Zugang zum Internet erleichtert oder überhaupt erst möglich gemacht.