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Gendergerecht und barrierefrei – Gendersternchen macht das Rennen

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Die Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit in der Informationstechnik (BFIT-Bund) hat im August 2021 eine Empfehlung zur Verwendung von gendergerechter Sprache, im Kontext digitaler Barrierefreiheit veröffentlicht. Ergebnis: das Gendersternchen macht aus unterschiedlichen Gründen das Rennen. Soll heißen, laut Studienergebnis ist das Gendersternchen für gendergerechte und barrierefreie Sprache zu empfehlen.

Grundlage für diese Empfehlung ist eine bemerkenswerte, repräsentative Studie, durch die belastbare Aussagen zur Verwendung eines bevorzugten Genderzeichens und der Bedeutung gendergerechter Sprache gewonnen werden konnten. Sowohl die Barrierefreiheit von Genderzeichen in digitalen Anwendungen, als auch die sozio-politischen Dimension des Genderns lagen im Fokus der Studie. Um wirklich repräsentative Ergebnisse zu erzielen, wurden eine technische Prüfung nach Barrierefreiheitskriterien und eine Befragung von Menschen mit Behinderungen über deren Selbstvertretungen durchgeführt. Für die sozio-politischen Dimension des Genderns wurde eine Befragung der Selbstvertretung (vertreten durch die Deutsche Gesellschaft für Transidentität und Intersexualität (dgti e.V.)) lesbischer Frauen, schwuler Männer, bi, inter und trans* Menschen (LGBTI*Q) durchgeführt. Untersuchungsgegenstand waren die besonders häufig verwendeten Genderzeichen Asterisk (auch Gendersternchen genannt) und der Doppelpunkt. Andere Formen des Genderns (Binnen-I, Schrägstrich, etc.) wurden nicht berücksichtig, was möglicherweise etwas andere Studienergebnisse gebracht hätte. Warum man darauf verzichtet hat, ist aus meiner Sicht auch nicht ersichtlicht. Wie dem auch sei, auf Basis der Studienergebnisse spricht sich BFIT-Bund auf jeden Fall für die Verwendung des Asterisks in digitalen Anwendungen aus.

Genderstern – Bedeutungsträger und Anerkennung von Diversität

Auch Menschen mit Behinderungen, mit unterschiedlichen geschlechtlichen Identifikationen, sprechen sich (durch ihre Selbstvertretungen), im Einklang mit der Empfehlung der Selbstvertretung der LGBTI*Q, für die Verwendung des Asterisks aus. Die Selbstvertretung der LGBTI*Q verwendet den Asterisk vor allem, weil er Freiraum für die Entfaltung von verschiedenen Geschlechteridentitäten lässt. Das Gendersternchen ist also nicht einach nur ein Sonderzeichen zur Kennzeichnung der diversen Schreibweise, sondern ein offensichtliches Mittel zur Visualisierung der Geschlechtervielfalt. Das ist auch einer der großen Unterschiede zu praktisch allen anderen Lösungen. Es geht also auch um Fragen der Freiheit und der Demokratie von Menschen mit Behinderungen. Auch deshalb schließt sich BFIT-Bund dieser Sichtweise an und empfiehlt, unter der Maßgabe ihres Auftrages nach §8 BITV, das Gendern mit dem Asterisk.

Wie lesen Screenreader Formen der gendergerechten Sprache?

Bereits 2019 habe ich auf dem Barrierekompass einen Artikel unter der Überschrift "Gendergerechte Sprache und Barrierefreiheit" verfasst. Schon damals habe ich meine Vermutung geäußert, dass das Gendersternchen möglicherweise das Rennen machen könnte. Letztendlich ist das Rennen aber auch heute noch nicht entschieden, denn die Empfehlung der Überwachungsstelle des Bundes für Barrierefreiheit in der Informationstechnik (BFIT-Bund) bleibt zunächst eine Empfehlung.

Interessant ist in diesem Kontext vielleicht auch, wie gerade Screenreader mit verschiedenen Formen der gendergerechten Sprache umgehen. Wie werden verschiedene Formen erkannt und vorgelesen? Und werden sie überhaupt erkannt und vorgelesen? Domingos de Oliveira sagt dazu in einem Beitrag auf der Seite genderleicht.de:

"Was das Thema Aussprache angeht, ist es eigentlich ausentwickelt. Das ist ja ein Thema, das die Leute schon 20 bis 30 Jahre lang beschäftigt. Da wird sich auch nichts mehr tun."

Soll heißen, Screenreader-Hersteller werden sich keiner bestimmten Lösung mehr verschreiben. Wie Sonderzeichen und Interpunktion von Screenreadern vorgelesen werden, ist zum großen Teil Einstellungssache und kann/soll von Menschen, die Screenreader nutzen, selbst bestimmt werden.

Wie sich gendergerechte Sprache mit einem Screenreader anhört, hat de Oliveira mal auf YouTube in Form von Hörbeispielen veröffentlicht. Das Video wurde mittlerweile schon fast 5000mal aufgerufen, was zeigt, dass das Thema von Interesse ist. Auch der Digital Accessibility Consultant Taner Aydin hat sich 2021 die Mühe gemacht und die verschiedenen Lösungen gendergerechter Sprache einem umfassenden Screenreadertest unterzogen. Unter anderem hat er mit den Screenreadern NVDA, Narrator, JAWS und VoiceOver getestet. Seine ausführlichen Tests hat er als Hörbeispiel auf seiner Seite veröffentlicht. Und für die Eiligen hat er seine Erkenntnisse als Tabelle zusammengefasst. Sein Fazit:

„Während das Binnen-I als eher ältere Schreibweise schon relativ großflächig unterstützt wird, wird das Sternchen, welches bis vor einer Weile als inklusivste Variante präferiert wurde, bis jetzt nur von Amazon Polly korrekt ausgegeben.“

Die Erkenntnisse von Taner Aydin, vor allem in Bezug auf das Gendersternchen, lassen die Studienergebnisse des BFIT-Bund in einem etwas anderen Licht erscheinen. Zumindest aus der Screenreader-Perspektive. Ähnlich sieht es in der Stellungnahme vom DBSV (Deutscher Blinden- und Sehbehindertenverband e. V.) aus. Gendern mithilfe von Satz- und Sonderzeichen ist demnach aus der Perspektive blinder und sehbehinderter Menschen immer problematisch. Das Fazit des DBSV lautet: 

Unsere favorisierten Lösungen sind Formulierungen, die kein Geschlecht ausschließen wie bei Team, oder die Beidnennung wie in Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter. Leider wird die zweite Lösung nicht allen Geschlechtsidentitäten gerecht. 

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