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Barrierefreiheit garantiert: Mehr Wert für alle 2006

12. Mai 2006

Ein Internet ohne Barrieren - darum geht es bei Mehr Wert für alle seit vier Jahren. In dieser Zeit hat sich viel getan: Bundes- und Ländergesetze, Wettbewerbe und Zertifikate sind nur einige der Entwicklungen in der jüngsten Vergangenheit des barrierefreien Internets. Kein Wunder also, dass sich Mehr Wert für alle in diesem Jahr mit der Thematik "Barrierefrei! Garantiert?" auseinandersetzt.

Auftraggeber und Entscheider im Fokus

Durch die thematische Ausrichtung des diesjährigen Symposiums wurde vor allem eine Zielgruppe angesprochen: Entscheider und Auftraggeber. Insbesondere die Absicherung der Qualität ist hierbei ein wichtiger Punkt, ganz egal ob es sich um eine Firmen-Website oder einen Internetauftritt einer öffentlichen Einrichtung handelt. Die Motivation zur Qualitätssicherung ist jedoch gänzlich unterschiedlich. Während öffentliche Auftraggeber auf der Suche nach einer rechtlichen Absicherung sind, gehen privatwirtschaftliche Entscheider vielfältigere Wege, die von Kostenaspekten bis zu Kommunikationsvorteilen reichen. Sicherlich hat sich der ein oder andere Teilnehmer über den Einkaufsführer Barrierefreies Internet gefreut, der den Teilnehmerunterlagen der Veranstaltung als Download-Gutschein beigefügt war.

Pro und Contra Zertifizierung von Barrierefreiheit

Mit einem speziell für Entscheider konzipierten Workshop startete Mehr Wert für alle in den ersten Tag. Dabei stand die Fragestellung "Kann man barrierefreie Websites zertifizieren?" im Vordergrund des von Werner Schweibenz moderierten Workshops, bei dem die Vor- und Nachteile eines Zertifikats gezielt herausgearbeitet wurden.

Aus unserer Sicht war vor allem die Frage nach der aktuellen Meinungssituation bei den Entscheidern von großer Bedeutung, nachdem wir vor mehr als einem Jahr mit einem offenen Brief an das AbI-Projekt eine Welle der Entrüstung gegen die Zertifizierungsbestrebungen losgetreten hatten. Viel hat sich seither nicht getan, die Argumente für ein Zertifikat haben sich dabei ebensowenig geändert, wie die, die gegen ein Zertifikat sprechen. Zumindest gegen ein zertifiziertes Endprodukt auf Basis dessen, was bisher von DIN-CERTCO in Verbindung mit dem AbI-Projekt geplant ist. Generell wurden Zertifikate aber als positiv bewertet, mehr aber hinsichtlich der Zertifizierung eines Prozesses unter Einbeziehung von Nutzertests - unter anderem durch Menschen mit Behinderungen. Das bietet der gegenwärtige Ansatz von DIN-CERTCO leider nicht. Zudem dürfte das Zertifikat auch nicht für jeden erschwinglich sein, nimmt man einmal Bundesbehörden, große Landesbehörden und finanzkräftige Institutionen und Firmen aus. Das führt wohl unweigerlich zu einer Zwei-Klassen-Gesellschaft der der Zertifizierung: Jene, die sich ein Zertifikat leisten können und jene, die ein Zertifikat brauchen.

Aktuelles zum Thema Zertifizierung

Sicher ist gegenwärtig eines: Das Zertifikat kommt. Unter der Hand wird gegenwärtig mit der Marktreife im Juni 2006 gerechnet. Änderungen am Zertifizierungs-Prozess, wie im vergangenen Jahr von diversen AbI-Unterstützern gefordert, wird es nicht geben. Bleibt also abzuwarten, wie viele treue Gefolgsagenturen dem AbI-Projekt den Rücken kehren werden. Auf der anderen Seite muss der Markt dann zeigen, wie hoch die Akzeptanz eines derartigen Zertifikats ist.

Sicherstellung der Zugänglichkeit

Wie hoch das Thema Qualität im Kurs steht, zeigten nicht nur die Entscheider-Workshops, sondern auch die Praxis-Workshops, wie beispielsweise von Jan-Eric Hellbusch oder Michael Charlier. Das Credo aus diesem Themen-Track ist vor allem, dass es keine vollautomatische Barrierefreiheit gibt, sondern einen von Menschen getragenen Prozess, der bestenfalls von Software unterstützt wird. Praktische Ansätze zur Planung und Umsetzung standen demzufolge im Fokus, aber auch die Schulung und das Testen im Praxisbetrieb. Interessant in diesem Zusammenhang ist sicherlich das Konzept eines Accessibility-Frameworks, das eine Art Rahmenkonstrukt für zugängliche Websites auf technischer Ebene bieten soll, ohne einen Entwickler beim Layout zu sehr einzuschränken. Zwar ist ein solches Framework nicht universell anwendbar, aber es bietet zumindest eine mögliche Ausgangsbasis zur Entwicklung einer zugänglichen Website.

Fazit

Egal ob Zertifizierung, Qualitätssicherung oder Ausschreibungsplanung - Mehr Wert für alle 2006 bot viele interessante Ansätze für Entscheider, Auftraggeber und Experten. Kein Wunder, dass nicht nur die Pausen zur ausgiebigen Diskussion genutzt wurden, sondern auch die gelungene Abendveranstaltung im zukünftigen WM-Stadion in Kaiserslautern. Insgesamt zeigt sich ein Trend für barrierefreie Websites sehr deutlich: Das Bestreben nach Qualität und die Prozessorientierung stehen im Mittelpunkt des Interesses. Ein positives Signal, das angesichts der aktuellen Diskussionen um WCAG 2.0 und den Umsetzungsstand der BITV ausgesendet wird.

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Als Agentur für Universelles Design und Herausgeber des Barrierekompass, hat anatom5 seit 2003 eine weitreichende Expertise im Bereich barrierefreie Informationstechnologie erlangt.

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Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Barrierefreiheit spiegelt sich auch in diversen Auszeichnungen wider, die anatom5 seit 2003 erhalten hat (BIENE-Awards, Projekte aus der 90plus Liste).

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