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Wie Menschen mit Sehbehinderung surfen

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Altersmäßig verteilt sich die Zielgruppe vor allem auf über 20jährige, wobei der Fokus klar in der Zielgruppe der 41-60jährigen liegt. Hinsichtlich des Sehvermögens streuen sich die 216 Nutzer über die Bereiche mittlere, schwache und sehr schwache Sehkraft nahezu gleichmäßig. Deutliche Unterschiede hingegen zeigt die Studie hinsichtlich der Online-Erfahrung: der größte Teil stuft sich als erfahren ein, Anfänger hingegen sind in der Studie kaum zu finden. Das mag unter anderem daran liegen, dass WebAIM größtenteils Internetfachleute anspricht und diese auf die Studie aufmerksam geworden sind.

Interessant sind vor allem einzelne Ergebnisse der Studie, die jedoch stets mit Vorsicht zu genießen sind, da sie nur die Zielgruppe der Menschen mit Sehbehinderung und hier vor allem einer Expertengruppe wiederspiegeln:

  • gut 70% aller Nutzer arbeiten mit verschiedenen Technologien, also beispielsweise mit Screenreader und Bildschirmvergrößerung; gut 15% nutzen bis zu vier verschiedene Tools und Lösungen gleichzeitig
  • Windows ist mit über 70% das meist genutzte Betriebssystem, gefolgt von Apple-Betriebssystemen (iOS, OS X), während Linux und Android kaum genutzt werden
  • Internet Explorer ist mit über 50% der Browser der Wahl, gefolgt von Firefox, Chrome und Safari mit fast gleichen Anteilen (je um die 15%). Grund hierfür dürfte die mangelhafte Unterstützung von Accessibility-Schnittstellen durch andere Browser als den Internet Explorer sein. Auffällig ist, dass die Hälfte aller IE-Nutzer mit älteren Internet Explorern (älter als IE8) arbeitet.
  • JavaScript ist bei 99,5% aller Nutzer aktiviert und liefert ein klares Votum für die Nutzung zugänglicher interaktiver Elemente im Sinne der WCAG2.0
  • Mobile Plattformen werden immer beliebter, allen voran die iOS-Produkte von Apple mit über 40% Anteil in der Zielgruppe. Android liegt mit 18% deutlich zurück, andere Produkte können kaum Marktanteile auf sich vereinen.
  • Schaltflächen zum Vergrößern von Text in Webseiten werden von der Mehrheit begrüßt, ihre Wirksamkeit wird gleichzeitig aber eher in Frage gestellt. Generell ist jedoch zu spüren, dass sich sehbehinderte Nutzer (ungeachtet ihrer Tools) mehr Kontrolle über das Layout wünschen.
  • Hinsichtlich der maximalen Vergrößerung sind Stufen ab 200% bis über 400% gleichmäßig verteilt. Fraglich ist hier, welche Vergrößerung gemeint ist, da die Nutzer keine Angaben über das Tool (Browser, ZoomText, etc.) machen mussten.
  • Ausreichende Farbkontraste werden von zwei Dritteln als kritischer Erfolgsfaktor gesehen und als sehr wichtig eingestuft.
  • Etwas anders sieht es bei Sprungmarken aus, die zum Überspringen von Bereichen eingesetzt werden: zwar sehen gut zwei Drittel einen Vorteil in der Nutzung, allerdings handelt es sich dabei vor allem um unerfahrene Nutzer. Erfahrene Nutzer tendieren dazu, andere (in ihren Hilfsmitteln enthaltene) Möglichkeiten der Navigation zu verwenden.
  • Social Media wird überraschenderweise größtenteils als zugänglich bewertet.
  • Problematisch sind vor allem komplexe Layouts, schlechte Farbkontraste, CAPTCHAs oder komplexe Formulare oder Navigationen/Menüs. Ebenso wird die schlechte Lesbarkeit kritisiert, wenn Webseiten vergrößert werden.

Fazit

Eine eindeutige Handlungsempfehlung liefert die Studie nicht. Sie räumt mit einigen Mythen rund um JavaScript auf, liefert Denkansätze und bestätigt Altbekanntes (Kontraste, Einfachheit, Sprungmarken). Insgesamt ist es dennoch von Zeit zu Zeit immer wieder gut, solche Studien zu lesen und zu hinterfragen. Barrierefreiheit braucht eigentlich viel mehr Zahlen aus den Zielgruppen, um mit den aktuellen und zukünftigen Entwicklungen abgestimmt und vorangetrieben zu werden.

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