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Weltjugendtag in Köln

15. August 2005

Es ist soweit, der Mega-Event Weltjugendtag 2005 in Köln ist in vollem Gange. Wer dabei sein will sollte sich beeilen, der Rest sollte den Großraum Köln, vor allem die A3 und die A1 weiträumig umfahren. Die Einfallstraßen nach Köln sind jetzt schon dicht. Wer hätte es gedacht, auch die Frömmsten verursachen Stau, wenn Sie in Scharen auftauchen.

Eine Millionen Gläubige aus aller Welt wollen diese Woche in Köln dabei sein, wenn Papst Benedikt XVI, der erste deutsche Papst seit über 400 Jahren, zu Ihnen spricht. 192 Nationen sollen bei dem Großereignis vertreten sein. Die Idee zum Weltjugendtag stammt von Papst Johannes Paul II. 1985, als die UNO das Jahr der Jugend ausrief, äußerte der damalige Heilige Vater seinen Wunsch ein Jugendtreffen in Rom zu begehen. Zu diesem ersten Treffen versammelten sich über 250.000 Jugendliche. Seitdem ist die Zahl der Pilger ständig gestiegen. Das Hauptanliegen der Weltjugendtage ist es, Jugendlichen ihre Aufgabe zu vermitteln, eine Welt der Wahrheit, der Solidarität, des Friedens und der Liebe zu bauen. Letzteres übrigens nur platonisch: Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) musste nach heftigen Protesten von Vertretern der katholischen Kirche auf die Verteilung von kostenlosen Werbe-Kondomen auf dem Weltjugendtag in Köln verzichten. Aber das nur am Rande.

Bisher gab es 19 Weltjugendtage, davon acht als internationale Treffen, unter anderem in Buenos Aires, Denver und Paris. Den absoluten Pilgerrekord verzeichnete der Weltjugendtag 1995 in Manila (Phillipinen) mit vier Millionen Teilnehmern − die grösste Menschenansammlung aller Zeiten.

Weltjugendtag in Köln

Der Papst ist wieder in aller Munde. Und Köln erlebt einen kleinen Konjunkturschwung. Zwar sollen sich die Kosten für den Weltjugendtag 2005 auf 100 Millionen Euro belaufen, aber bei bis zu einer Millionen Menschen, die zum Abschlussgottesdienst unter freiem Himmel erwartet werden, rechnet sich das. Ob bedruckte Kerzen in allen Variationen, Kugelschreiber, Plaketten, T-Shirts, Rucksäcke oder Postkarten. Die Weltjugendtag-Merchandising-Maschine läuft auf Hochtouren. Weltjugendtag 2005 goes Pop.

Weltjugendtag eine logistische Leistung

Keine Zweifel, der Weltjugendtag 2005 ist eine großartige logistische Leistung. Verkehrs-, sicherheits- und versorgungstechnisch. Neben den unzähligen freiwilligen Helfern wurde frühzeitig die Bundeswehr um Unterstützung gebeten. Denn im Vorfeld mussten 6,5 Millionen Essensportionen zur Versorgung der Pilger bereitgehalten, Autobahnen gesperrt und zu Parkplätzen für etwa 8000 Busse umfunktioniert sowie gigantische Zeltplätze errichtet werden. Von 500.000 Pilgerrucksäcken, die von Hand mit Informationsmaterial und Proviant bepackt werden mussten ganz zu schweigen.

Weltjugendtag im Internet - Barrierefreiheit

Um Pilger aus aller Welt auch multimedial in die richtigen Bahnen zu lenken, gibt es einen offiziellen Internetauftritt zum Weltjugendtag 2005. Und irgendwie scheint man hier auch schon mal was von Barrierefreiheit gehört zu haben. So ist der Auftritt mehrsprachig, es gibt eine Schrift-Zoom-Funktion und es werden verschiedene Filme in Gebärdensprache angeboten. Zudem wird auf der Startseite via Java-Script ein benötigtes Plug-in abgefragt und gegebenenfalls eine Alternative bereitgestellt (was allerdings im Mozilla-Firefox zu einem Fehler führt). Das war es aber auch schon mit der Barrierefreiheit.

Der Sprachwechsler funktioniert nur bei aktiviertem Java-Script (die integrierte Druckfunktion ebenfalls), die Schrift-Zoom-Funktion hilft bei den vielen grafischen Navigations-Elmenten auf der Startseite wenig und kaschiert nur unzureichend den Einsatz fixer Schriftgrößen. Was passiert nämlich, wenn man die Schrift-Zoom-Funktion nicht findet? Und was die Gebärdensprachfilme angeht. Die Filme machen zwar einen guten Eindruck, können aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch nicht mal die Grundlagen für eine barrierefreie Webseite berücksichtigt wurden.

Valider HTML-Code − Fehlanzeige. Konsequente Einbindung von Alternativ-Texten für Grafiken und Bilder − ebenfalls Fehlanzeige. Ansonsten: Massiver Einsatz von Tabellen zu Layoutzwecken, statt zur Darstellung von Datenmaterial, keine alternativen Anzeigemöglichkeiten und keine Auszeichnungen von Abkürzungen, Akronymen und Sprachwechseln. Bei einer Auflösung von 800 auf 600 Pixel gewährt vor allem die Startseite des WJT nur traurige Einblicke. Und das, obwohl auch Pilger aus den ärmsten Staaten der Welt − zum Beipiel Kamerun und Nigeria − erwartet werden, wo Kleinst-Monitore sicherlich nicht die Ausnahme sind. Aber vielleicht hat man dort ja Breitband, denn neben der offiziellen Weltjugendtagseite gibt es auch eine Live-Berichterstattung vom Weltjugendtag im Internet.

Fazit:

Obwohl wir in der Vergangenheit viele Anfragen für einen Barriere-Check auch von kirchlichen Einrichtungen bekommen haben, hat man mit der offiziellen Seite des WJT in Bezug auf Barrierefreiheit eine riesige Chance vertan. Bei einem Hundert-Millionen-Euro-Budget eigentlich traurig. Und dabei geht es nicht um Barrierefreiheit nach Richtlinien, sondern schlicht um die Vorteile, die Barrierefreies Internet bietet.

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