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Websites von Landtagsabgeordneten im Test

1. Oktober 2004

Politik ist in Deutschland ein sehr sensibles Thema. Noch mehr, wenn es um Politiker selbst geht. Die Meinungen gehen sehr schnell sehr weit auseinander. Da bilden auch die Internetauftritte der deutschen Landtags-Abgeordneten keine Ausnahme.

Das Magazin politik & kommunikation hat sich in der September-Ausgabe mit den Websites der bundesdeutschen Landtagspolitiker auseinandergesetzt. Dabei wurden 1079 Internetseiten analysiert und später 938 effektiv bewertet, da einige Seiten nicht erreichbar oder nicht mehr vorhanden waren. Die Bewertung erfolgte nach verschiedenen Kriterien. Maximal erreichbar waren 100 Punkte pro Internetpräsenz:

(Persönliches: max. 15 Punkte, Politische Arbeit: max. 35 Punkte, Gestaltung und Navigation: max. 25 Punkte und Service: max. 25 Punkte). Dazu kam eine Bonuskategorie für Innovatives, in der es bis zu 5 Punkte zu holen gab.

Barrierefreiheit spielte für den Test keine Rolle und ein Stichprobentest der überprüften Seiten durch das Team des Barrierekompass zeigte, dass Barrierefreies Internet für Landtagspolitiker scheinbar keine große Bedeutung hat. Ob das in direktem Zusammenhang mit dem zögerlichen Umsetzen der BITV auf Landesebene zusammenhängt? Man weiß es nicht. Laut politik & kommunikation kommen die besten Politiker-Seiten aus Baden-Württemberg, die schlechtesten aus Bremen. Und das, wo die Bremische Bürgerschaft beim BIENE-Award noch so gut abgeschnitten hatte, aber da war es mehr das Kollektiv - hier zählt nur die Einzelwertung. Und da sieht es bei deutschen Politikern, nicht nur im Hinblick auf Barrierefreiheit, düster aus. Schlechtes Design, schlechte Usability und der Einsatz von Partei-Einheits-Vorlagen machen aus der Politik auf Landesebene nun wahrlich kein positiv aufgeladenes Erlebnis.

Durchsetzen konnte sich am Ende der Süden Deutschlands. Platz eins ging an Joachim Herrmann aus Bayern, Platz zwei an Günther-Martin Pauli aus Baden-Württemberg und Platz 3 an Heidi Lück aus Bayern. Leider können die Kandidaten auf dem Treppchen nicht alle Bürgerinnen und Bürger überzeugen, denn ein barrierefreier oder wenigstens barriere-armer Zugang ist in allen Fällen Fehlanzeige. Ein interessantes Nebenprodukt der Studie ist, dass Websites von Grünen-Abgeordneten im Vergleich am besten abschnitten, wohingegen die PDS die schlechtesten Internetseiten zu verzeichnen hat. Auswirkungen auf die nächsten Wahlergebnisse sollten hieraus jedoch tunlichst nicht abgeleitet werden.

Erwähnenswert erscheint uns, dass der Vergleich 2003 bereits durchgeführt wurde und seither zumindest eine quantitative Zunahme erfolgt ist. politik & kommunikation räumt jedoch im gleichen Atemzug ein, dass die Qualität der Internetseiten nicht proportional zugenommen habe, sondern auf niedrigem Niveau stagniert. Der Griff zur Internetpräsenz aus der Partei eigenen Konserve ist wohl mit ein Grund, warum die Ergebnisse zum Teil so schlecht sind. Mehr Individualität würde hier sicherlich schon dabei helfen, aus dem Gewohnheits-Schema auszubrechen und Format zu zeigen. Statt dessen dümpeln deutsche Politiker-Seiten vor sich hin und fallen dadurch auf, dass sie nicht auffallen. Wer Internetseiten immer noch als Visitenkarten und nicht als Dialoginstrument begreift, spart sich Wählerstimmen, sonst nichts. Die Möglichkeit, gerade mit einer barrierefreien Seite, neue Zielgruppen zu erreichen, ist mit einfachsten Mitteln möglich. Für den 2005er Test haben wir wenig Hoffnung, dass es eine Trendwende geben wird, aber die Hoffnung stirbt zuletzt.

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