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Weblogs: die barrierefreie CMS-Alternative - Teil 1

6. Oktober 2004

In Deutschland noch leicht belächelt, in vielen anderen Ländern längst nicht mehr wegzudenken. Die Rede ist von Weblogs, dieser interessanten Mischung aus Tagebuch, Gästebuch und Linkliste, die derzeit in aller Munde ist. Was genau ist nun ein Blog und wozu dient es?

Natürlich kommen Blogs aus den USA. Der Begriff Weblog setzt sich aus den Begriffen "Web" und "Log" zusammen. Letzteres kennzeichnet eine Aufzeichnung, wie früher auf Schiffen das Logbuch des Kapitäns. Es handelt sich demnach um persönliche Aufzeichnungen, die man im Internet bereitstellt, um sie anderen zugänglich zu machen. Eine Art Tagebuch sozusagen, aber mit mehr Interaktionsmöglichkeiten. Dabei ist es aber kein Forum und auch kein Gästebuch, wo man nur Nachrichten samt seines Namens und / oder seiner E-Mail-Adresse hinterlegen kann. Trotzdem: Tagebuch trifft es schon sehr gut, denn ein Blog soll regelmäßig gepflegt, sprich: mit neuen Inhalten versorgt werden. Weil Tagebuch aber doch sehr nach privater Anwendung klingt, würde wohl jeder vor dem Einsatz eines Weblogs im unternehmerischen Bereich zurückschrecken. Wie kann man also dieses Kommunikationsmittel einsetzen, damit es dem Unternehmen einen Nutzen stiftet?

Nutzwert für Unternehmen

Wenn Weblogs Tagebücher sind und viele Menschen ihr eigenes Weblog täglich pflegen, dann sind das Ansammlungen von Ereignissen, wobei es sicherlich Schnittmengen bei den Ereignissen gibt. Diese Schnittmengen kann man als Themen bezeichnen. Wenn man jetzt ein Blog ausschließlich zu einem bestimmten Thema verfassen würde, dann hätte man nach einiger Zeit ein ganzes Archiv voller Informationen, die aus persönlicher Sicht die verschiedenen Facetten einer Thematik beleuchten, ohne direkt ein Fachaufsatz zu sein. Auf diese Weise entsteht ein ganzer Kosmos voller Weblogs und bereits heute gibt es zahlreiche Weblog-Portale, wie beispielsweise popdex.org oder weblogs.com, die nichts anderes tun, als Blogs zu durchsuchen, aufzulisten und zu kategorisieren. Der spektakuläre Aufkauf von blogger.com durch Google im Frühjahr 2003 zeigt deutlich, wie groß Erwartungen an die Entwicklung der Blog-Szene sind und wie interessant Weblogs für die Industrie sein müssen. Die Übernahme von blogger.com, der größten Weblog-Community im Internet, hat vielerorten aufhorchen lassen. Es steht zu erwarten, dass Weblogs in Zukunft noch mehr Bedeutung zukommen wird, denn Google und Blogger zusammen könnten Besucherströme für Blogs bedeuten.

Streaming-Technologie eingebaut

Ein weitererVorteil von Weblogs besteht darin, dass sie untereinander verknüpft werden können. Natürlich kann man auch "normale" Internetseiten verlinken - die Rede ist an dieser Stelle aber von Content-Syndication via Feed-Technologie (Atom, RSS). Auf diese Weise kann man interessante Blog-Einträge anderer Benutzer zum gleichen Thema auch auf der eigenen Seite anbieten, ohne dass dabei die Darstellung der eigenen Seite verändert wird. Es wird lediglich der Inhalt des anderen Blogs ausgelesen, über das Netz transportiert und in der eigenen Seite und mit dem eigenen Layout dargestellt. Technisch wird das über RDF und XML möglich. Beide Modelle zusammen ermöglichen den Datenaustausch zwischen zwei oder mehreren Systemen - eine Vernetzung also.

Weblogs im Unternehmens-Einsatz

Gestalten wir es praktisch: nehmen wir eine Firma, die Ballonfahrten anbietet. Stellen wir uns also ein Weblog zum Thema Ballonfahren vor, in dem regelmäßig Einträge erstellt werden. Denkbar sind somit Einträge, die kurz auf das Wetter eingehen, die gefahrene Route beschreiben oder besondere Ereignisse würdigen und dem interessierten Besucher zugänglich machen. Die Texte müssen nicht zwangsläufig besonders lang sein, denn nicht immer hat man viel zu erzählen. Am Beispiel des Ballonfahrt-Unternehmens wäre dies zum Beispiel ein Schlecht-Wetter-Tag ohne Fahrten. Doch auch dann passieren Dinge, die auf den ersten Blick vielleicht alltäglich sind, einem Außenstehenden jedoch einen Zugang zu Details vermittelt, die ihm sonst verborgen bleiben, ohne dass es aber Firmen-Geheimnisse sind, die besonders schützenswert sind. Der Besucher der Seite wird seinerseits ebenfalls zum Mitmachen animiert. Über die Funktion "Kommentieren"kann er zu einzelnen Blog-Einträgen Stellung nehmen und die eigene Meinung einbringen - vorausgesetzt, Sie erlauben das Kommentieren von Beiträgen. Eine Option, die Ihnen nahezu jede Weblog-Software bietet.

Man sieht, dass ein Blog nach Regeln verlangt. Vor allem dann, wenn es in der Außenkommunikation von Firmen eingesetzt wird, also beispielsweise auf der firmeneigenen Internetseite. Anders sieht es im Intranet aus, wo Weblogs ebenfalls eingesetzt werden und so vor allem in großen Unternehmen eine sinnvolle Erweiterung der internen Kommunikation darstellen können. Für all jene Unternehmen, bei denen der Einsatz von Blogs sinnvoll ist, sind es Werkzeuge im modernen Kommunikations-Mix und stiften Zusatznutzen. Sowohl in Bezug auf Kundenbindung, als auch bei der Differenzierung von der Konkurrenz.

Weblog kontra CMS

Was also unterscheidet Weblogs von Content Management Systemen? Zunächst einmal rein gar nichts, denn Blogs tun letztlich nichts anderes, als Inhalte zu verwalten. Damit stehen sie in der Evolution an dem Punkt, wo dereinst auch Redaktionssysteme begonnen haben, nämlich bei der Pflege von aktuellen Inhalten (News). Nahezu jedes Briefing-Gespräch mit Kunden beinhaltet den Wunsch nach einer einfachen Pflegemöglichkeit der eigenen Internetseiten. Der Griff zum überdosierten Content Management System ist nicht weit und selbst für den kleinsten Geldbeutel gibt es Lösungen. Problematisch wird es immer erst dann, wenn die Seiten zum einen Inhalt und Design wirklich voneinander trennen müssen und zum anderen auch noch validen Quellcode ausgeben sollen. Kurzum: immer dann, wenn es um die Grundlagen für Barrierefreiheit geht. Das hängt mit der historischen Entwicklung von Webdesign und Content Management im Internet zusammen. Die meisten Systeme am Markt basieren auf der Annahme, dass komplexe Layouts nur mit Hilfe von Tabellen zu realisieren sind und bauen diese ohne Rücksicht auf (Zielgruppen-)Verluste in die Seite ein - ohne das Wissen des Redakteurs. So entstehen bizarre HTML-Konstrukte, die jedem Validator die Nackenhaare hochstellen.

Vorteil Weblog: Standards & Co.

Moderne Weblogs kommen in dieser Hinsicht deutlich besser weg. Zumeist setzen diese Systeme durchweg auf dem moderneren XHTML auf und lassen seinen Vorläufer HTML direkt außen vor. Zudem bauen die meisten Weblog-Systeme auf den Vorteilen von Cascading Stylesheets auf und setzen somit die konsequente Trennung von Inhalt und Design auf technischer Ebene fort. Keine Frage: sauberer Code gehört ebenfalls zur Serienausstattung. Der konsequente Verzicht auf Tabellen zu Layout-Zwecken macht sich allenthalben bemerkbar, sogar in der Administration vieler Systeme gibt es CSS und DIVs, statt Tabellen und Verschachtelungen. Barrierefreie Ansätze, die leicht ausbaufähig sind.

Weblogs: Mini-CMS für KMUs

Somit eignet sich die neueste Generation Weblogs durchaus für den Einsatz in kleinen Projekten und kann durchaus auch für die Pflege von Unternehmens-Seiten herangezogen werden. Die einfache Benutzung der Administration - oft direkt aus der Seite heraus - ist sicherlich nur ein Argument, das für den Einsatz von Weblogs im Unternehmens-Bereich spricht. Ein anderer Aspekt ist der Kostenvorteil: Weblogs basieren in der Regel auf Open-Source-Technologie und sind kostenlos zum Download verfügbar. Mit ein wenig Anpassung - die im übrigen auch jedes Content Management System verlangt - lassen sich so optimale Lösungen für den Kunden bei geringstmöglichen Kosten realisieren. Nicht nur in Bezug auf die reinen Entwicklungskosten, sondern auch im Hinblick auf Schulungs- und Folgekosten. Denn erweiterbar sind viele Weblog-Systeme schon heute: deutsche Sprache, Zusatzfunktionen, automatische Archivierung, Plug-Ins- die Liste der Möglichkeiten ist lang und eine Integration ist zumeist einfach möglich.

Der vielleicht größte Vorteil von Weblogs liegt darin, dass sie sich in bestehende Lösungen hervorragend integrieren lassen, ohne dabei aufzufallen. Das Beispiel des Ballonfahr-Unternehmens ist ein solcher Fall: Hier wurde ein Weblog in eine bereits barrierefrei gestaltete Seite integriert - mehr als ein Jahr nach der Fertigstellung der Seite und ohne tiefgreifende Einschnitte. Reine Arbeitszeit: 3 Tage, inklusive eines neuen Artikels und aller Anpassungen, denn der aktuellste Beitrag wird mit Hilfe eines XML-Feeds auf die Startseite übertragen und dort als Anleser präsentiert. Alle Funktionen der Seite sind nach wie vor vorhanden. Meta-Informationen (Suchbegriffe, Beschreibung) werden vom Kunden selbst gepflegt, genauso wie Inhalte, Überschriften und Bilder. Die Archivierung der Beiträge übernimmt das System selbst. Die Ausgabe der Inhalte ist durchweg standardkonform, in diesem Fall sogar barrierefrei und selbst für Laien sofort zu handhaben. Die Formatierung von Text und Bild kann über verschiedene Editoren erfolgen, so dass auch hier eine Anpassung an die persönlichen Bedürfnisse des Kunden möglich ist. Ein nicht unerheblicher Faktor für Barrierefreiheit, den wir im nächsten Teil über die Vorteile von Weblogs näher beleuchten werden. Dann erfahren Sie auch, welche Systeme besonders geeignet sind und welche Limitierungen man bei Weblogs in Kauf nehmen muss.

Lesen Sie auch den zweiten Teil: Weblogs: die barrierefreie CMS-Alternative

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