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WDR testet Internetseiten auf Barrierefreiheit

16. Januar 2004

Auf Einladung von wdr.de und Quintessenz WDR testeten drei Personen mit unterschiedlichen Behinderung Internet-Seiten von öffentlichen Einrichtungen, Behörden und Ministerien auf ihre Barrierefreiheit. In dem Test ging es dem WDR um die Frage, ob die ausgewählten Online-Angebote den bundesweit geltenden Richtlinien der BITV entsprechen. Tester waren Andreas Schmitz und Klaus-Peter Wegge, beide sehbehindert, sowie der gehörlose Jörg Weinel. Maßgeblich waren vor allem die persönlichen Eindrücke der Tester. Deshalb stand auch die Alltagstauglichkeit der Internetangebote im Vordergrund.

Generell entsprachen wohl alle getesteten Seiten formal den gesetzlichen Bestimmungen zur Barrierefreiheit. Trotzdem bemängelten die Tester prinzipiell die geringe Benutzerfreundlichkeit. Insgesamt seien die Seiten oft unklar aufgebaut, überfrachtet und wichtige Informationen sehr versteckt. Beschriftungen von Links und Bildern seien oft schwammig, wenn sie nicht sogar gänzlich fehlten. Das einhellige Urteil der Barriere-Tests war deutlich: "Die Angebote wurden nicht auf Herz und Nieren geprüft."

Getestet wurden übrigens nur Seiten, die sich auch an behinderte Menschen wenden und somit bereits seit Ende 2003, laut Bundesgesetzblatt, behindertengerecht sein müssten. Nachfolgend finden Sie eine Auflistung aller getesteten Seiten:

Interessant ist, dass sich unter den getesteten Seiten auch die Internetseite der Polizei Nordrhein-Westfalen befindet. Wir erinnern uns: die Polizei Nordrhein-Westfalen hat bekanntlich den einzigen goldenen BIENE-Award gewonnen hat.

Dagegen fallen die Seiten der Polizei in NRW bei allen drei Testern durch: Sie vermissen den schnellen Zugriff auf wichtige Notfall-Infos! Gehörlosen wird ein Begrüßungs-Video angeboten, doch das einzige andere Video, nämlich zum Notfall-Fax, funktioniert nicht. Wegge merkt an, dass hier eine "deutliche Entrümpelung" vonnöten sei.

Uns vom Barrierekompass stellt sich nun die Frage, wie der Gewinner des goldenen BIENE-Awards in dem neuen Barriere-Test des WDR so schlecht abschneiden konnte. Zwar gibt der Test des WDR und der drei behinderten Tester auf der einen Seite nur einen subjektiven Eindruck der Tester wider, auf der anderen Seite sollte das Resultat des WDR-Tests eigentlich nicht zu weit vom Ergebnis des BIENE-Award abweichen. Unabhängig von der zugrundeliegeneden Testmethode sollte es doch möglich sein, ein verlässliches Barrieretest-Ergebnis zu erzielen. Denn wenn die Ergebnisse des BIENE-Award keine Allgemeingültigkeit haben sollten, fehlt der Barrierefreien Informationstechnologie weiterhin ein anerkanntes Organ zur zweifelsfreien Bewertung von Barrierefreiheit im Internet.

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