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Was für ältere Menschen barrierefrei bedeutet, bedeutet für jüngere Komfort!

4. März 2004

Kennen Sie das? Der Vakuumverschluss Ihres Gurkenglases schliesst so dicht, dass Sie es alleine nicht öffnen können. Wenn Sie schon in jungen Jahren damit Probleme haben, was macht dann erst Ihre allein lebende Mutter im Alter von 75?

Und wenn Sie bedenken, dass 40 Prozent des deutschen Sektumsatzes von den Älteren getätigt wird ... Sicher Grund genug, mal über einen benutzerfreundlicheren Verschluss bei Sektflaschen nachzudenken. Das sind nur zwei kleine Beispiele für schwer zu öffnende Verschlüsse. Öffnungswiderstände unterschiedlichster Art finden Sie in Ihrem täglichen Leben in Hülle und Fülle.

Wie Produkte zu wenig an den Bedürfnissen älterer Menschen orientiert sind, sehen Sie besonders anschaulich am Beispiel des Mobiltelefons. Zu kleine Displays, zu kleine Tasten, rätselhafte Kürzel, unzählige und unnötige Funktionen; dazu Bedienungsanleitungen bei denen der normal technikinteressierte Mensch selbst beim dritten Lesen nicht die geringste Ahnung davon hat, was dort erklärt wird. Forscher an der Technischen Universität Berlin fanden jetzt heraus, dass aber weder viele Erklärungen noch größere Tasten ein Mobiltelefon für Senioren attraktiv machen. "Das Menuesystem eines Handys ist Senioren zu fremd. Sie können die Dialogtechnik auf verschiedenen Ebenen via Display nicht nachvollziehen", sagt Matthias Göbel, Ingenieur am Lehrstuhl für Arbeitswissenschaft der TU. Ihr Rat an die Hersteller: Wichtige Handy-Funktionen auf einer Benutzer-Ebene vereinen und eine Escape-Taste installieren.

Hier wird sicherer Umsatz verschenkt, solange die Machbarkeits-Phantasie der Ingenieure vor den Wünschen und Bedürfnissen der kauf- und konsumbereiten Senioren rangiert.

Der Nutzen, nicht eine altersbegrenzte Zielgruppe entscheidet über den Erfolg oder Misserfolg eines Produktes oder einer Dienstleistung! Benutzerfreundlichkeit und Einfachheit sind die Maßstäbe! Mit nur wenigen Ausnahmen können die meisten Produkte und Dienstleistungen zu einer generationenübergreifenden Nutzung gestaltet und somit ältere Menschen barrierefrei und jüngere Menschen mit mehr Komfort erreicht werden!

Barrierefreie Verpackung

"Barrierefrei" definiert sich aber nicht nur über Funktion und Design, sondern auch über die Verpackung: Verpackungen sind selten barrierefrei und schon gar nicht seniorenfreundlich. Oftmals sind sie nur mit viel Kraftaufwand, Gewalt oder weiteren Hilfsmitteln wie Scheren oder Messer zu öffnen, was nicht selten den Inhalt beschädigt oder zu Verletzungen führt. Merkmale einer barrierefreien Verpackung sind:

  • Die Verpackung ist leicht zu öffnen

  • Die Schrift ist gut lesbar, mindestens 12 Punkt

  • Es werden vertraute Schriftarten verwendet

  • Das Verfallsdatum ist klar und deutlich erkennbar

  • Die Inhaltsangabe ist vollständig

  • Das Design ist strukturiert und übersichtlich

  • Die verwendete Sprache ist verständliche

  • Die Verpackung ist umweltfreundlich

  • Die Verpackung besteht aus griffigem Material

  • Die Gestaltung setzt ähnliche Farben nicht für unterschiedliche Bedeutung ein

  • Die Gestaltung ist kontrastreich

Besonders im E-Commerce wird die Bedeutung einer barrierefreien Verpackung vielfach unterschätzt. Fehlen die positiven Elemente, wird so mancher Nachkauf (stillschweigend) ausbleiben! Spätestens dann wird klar, dass erfolgreicher Online-Verkauf nicht erst beim Angebot beginnt!

Lesen Sie im nächsten Artikel von Edwin E. Braatz: "Wie müssen Websites aussehen, um Produkte und Dienstleistungen mit der konsumerfahrene Zielgruppe 50plus barrierefrei zu kommunizieren?" Wenn Sie dieser Artikel interessiert hat, sollten Sie auch den Artikel über Silversurfer im Internet von Edwin E. Braatz lesen.

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