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Von Barrierefreiheit, Internetsicherheit und Interessenkonflikten

21. September 2005

Kürzlich haben wir einen Artikel über Forderungen nach einem Gütesiegel im E-Commerce, sozusagen als vertrauensbildende Maßnahme, berichtet. Wie es der Zufall so will, ist uns nun eine Pressemeldung untergekommen, die gut zu diesem Thema passt: klicksafe.de überarbeitet sein Angebot im Netz - schnell, interaktiv und barrierefrei.

klicksafe.de, das deutschlandweite Portal zur Sicherheit im Internet durch Medienkompetenz, geht mit einem neuen Gesicht an die Öffentlichkeit. Dabei konnten nicht nur die Ladezeiten erheblich verkürzt werden – auch in Sachen Lesbarkeit und Barrierefreiheit hat sich viel getan. Menschen mit Sehschwierigkeiten haben beispielsweise ab sofort die Möglichkeit, eine individuelle Schriftgröße einzustellen. Die Darstellung auf verschiedenen Computern und Monitoren wurde vereinheitlicht.

Der erste Eindruck des Portals in Punkto Barrierefreiheit ist durchaus anständig. Ein flüchtiger Blick unter die Motorhaube zeigt neben dem offensichtlichen Glanz des Designs aber auch Schwächen. Insbesondere die begrenzte Skalierbarkeit, der teilweise Verzicht auf Trennung von Inhalt und Design, der Missbrauch von Markup-Sprache, ein unüberlegtes Konzept für die Suchfunktion (der Enter-Button liegt vor dem Suchfeld!) sowie eine schlechte Unterstützung des Internet Explorer 5, schmälern den ersten Gesamteindruck. Aber die Richtung stimmt. Auf einen dezidierten Test von klicksafe.de müssen wir aber an dieser Stelle verzichten. Gerade erst haben wir in einer umfangreiche Testserie die Online-Angebote von Behindertenbeauftragten in Deutschland untersucht.

Übrigens: Klicksafe.de ist ein Projekt im Rahmen des "Safer Internet Program" der Europäischen Union. Diese hat ein Konsortium aus Landeszentrale für Medien und Kommunikation Rheinland-Pfalz (LMK), der Landesanstalt für Medien NRW (LfM) sowie dem Europäischen Zentrum für Medienkompetenz (ecmc) beauftragt. Für letzteres haben wir noch einen kleinen Nachtrag.

Meeting Point "Barrierefreie Informationsgesellschaft"

Beim "Meeting Point" des ecmc im Juli 2005 in der Staatskanzlei NRW drehte sich alles um Strategien und Handlungsoptionen, um das Thema "Barrierefreiheit" noch stärker im Bewusstsein der Entscheidungsträger in öffentlicher Verwaltung und Wirtschaft zu verankern. Hierzu sollten Expertinnen und Experten aus Medien, Politik und Wirtschaft zusammenkommen und – abseits des Tagesgeschäfts – Meinungen und Positionen auszutauschen.

Diskutiert haben Prof. Dr. Christian Bühler (Aktionsbündnis für barrierefreie Informationstechnik (AbI)), Andreas Burkert (Ministerium für Gesundheit, Frauen, Familie und Integration NRW), Iris Cornelssen (Aktion Mensch), Jutta Croll (Stiftung Digitale Chancen), Guido Karl (Innenministerium NRW, verantwortlich für die Website der Polizei NRW), Melanie Kuschmiersz (wissenschaftliche Referentin im Büro der NRW-Landesbehindertenbeauftragten), Thomas Ott (Landesamt für Datenverarbeitung und Statistik NRW), Wolfgang Tigges (BAG Selbsthilfe e. V.) und Karl-Heinz Weirich (IBM Accessibility Center). Moderiert wurde der Workshop von Frauke Jacobsen, Dr. Barbara Gehrke (ecmc Europäisches Zentrum für Medienkompetenz GmbH) und Guido Karl.

Fazit des Treffens: Barrierefreiheit ist ein komplexes Thema, das verschiedenen Zielgruppen vermittelt werden muss. Dafür sollen bestehende Angebote gebündelt werden. Es wurde vereinbart, weitere Treffen folgen zu lassen.

Meeting Point unter Agentur-Ausschluss

Da das ecmc einen hochoffiziellen Anstrich hat, könnte man ja meinen, dass auch Vertreter aus Agenturen gern gesehene Gäste wären. Immerhin muss das Thema Barrierefreies Internet in Agenturen gelangen und von dort erstmal verkauft werden. Aber es fällt auf, dass am "Meeting Point" in der Staatskanzlei NRW im Prinzip nur Interessenvertreter von Organisationen und Verbänden sowie ministerielle Offizielle teilgenommen haben - abgesehen natürlich vom ecmc selbst. Seltsam nur, dass das ecmc durch öffentliche Institutionen, wie den Deutschen Gewerkschaftsbund, das Land NRW, die Landesanstalt für Medien in NRW, die Stadt Marl, die Verbraucherzentrale NRW sowie den Westdeutschen Rundfunk unterstützt wird. Dadurch wird nämlich der öffentliche und offizielle Anstrich von ecmc verstärkt. Dabei ist ecmc ein Unternehmen, das im Bereich Neue Medien von der Beratung über Projektentwicklung und -Management bis zu Online-Redaktion und Webdesign alles verkauft. Darf man fragen, ob das mit öffentlicher Unterstützung geschieht? Vielleicht werden beim nächsten "Meeting Point" ja auch Agenturen eingeladen, die sich um das Thema Barrierefreiheit im Internet bemühen.

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Buch Barrierefreiheit

Titelseite Buch Barrierefreiheit für Online-Redakteure und Entscheider

Barrierefreies Internet

Als Agentur für Universelles Design und Herausgeber des Barrierekompass, hat anatom5 seit 2003 eine weitreichende Expertise im Bereich barrierefreie Informationstechnologie erlangt.

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Ausgezeichnete Barrierefreiheit

Die intensive Beschäftigung mit dem Thema Barrierefreiheit spiegelt sich auch in diversen Auszeichnungen wider, die anatom5 seit 2003 erhalten hat (BIENE-Awards, Projekte aus der 90plus Liste).

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