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Usability statt Accessibility?

14. April 2005

"Für viele Menschen ist der Zugang (zu Informationen im Internet) nicht möglich, da sie sich auf den angebotenen Webseiten nicht zurechtfinden oder Webseiten nur mit Hilfe spezieller Soft- oder Hardware ausgeben lassen können, die auf Barrieren beim Zugriff auf das Informationsangebot stoßen. Davon sind insbesondere ältere und behinderte Menschen betroffen. Durch Anwendung von Techniken des barrierefreien Webdesigns, können solche Barrieren vermieden werden."

So steht es auf der Internetseite des Kompetenzzentrums BIKA - Barrierefreie Informations- und Kommunikationstechnologie für Alle - ein Angebot der Fraunhofer Gesellschaft - geschrieben. Nun betreibt die Fraunhofer Gesellschaft aber auch das Kompetenzzentrum Usability Engineering, wo folgendes zu lesen ist:

"Usability bedeutet, interaktive Produkte so zu gestalten, dass sie nicht nur effektiv funktionieren, sondern auch problemlos bedienbar sind und den Benutzer zufrieden stellen."

Die Fraunhofer Gesellschaft betreibt also paralell ein Kompetenzzentrum für Accessibility und eins für Usability. Nun fragen wir uns, ob bei der Fraunhofer Gesellschaft die eine Hand weiß, was die andere Hand tut. Sprich, ob zwischen den beiden Kompetenzzentren ein Austausch stattfindet. Denn nach unserer Auffassung sollten heute die Disziplinen Usability und Accessibility Hand in Hand gehen. Vor allem, wenn es um Forschung geht.

Fraunhofer Gesellschaft stellt Usability-Portal online 

Wie es der Zufall so will, erreichte uns gerade die Pressemeldung, dass das Usability Kompetenzzentrum von Fraunhofer ein neues Usability-Portal online gestellt hat. Ab sofort sollen dort Entwickler, Designer und alle Interessierten Wissenswertes zum Thema Gebrauchstauglichkeit von Soft-, Web- und Hardware finden können.

Leider offenbart das Usability-Portal vor allem eins: Die Kollegen vom Kompetenzzentrum für Barrierefreie Informationstechnik hat keiner gefragt. Normalerweise veröffentlichen wir in solchen Fällen ja gerne einen unserer bekannten Barriere-Checks, aber in diesem Falle hieße das wohl "Eulen nach Athen tragen". Erstens steht der Fraunhofer Gesellschaft mit Imergo - ehemals BIKA-Checker - ein mächtiges Test-Werkzeug zur Verfügung, und zweitens sitzt Fraunhofer mit der hauseigenen WAI-Liste ohnehin an der "Wissens"-Quelle.

Gebrauchstauglichkeit ungleich Benutzerfreundlichkeit? 

Auch wenn manche Experten den Blick über den Tellerrand vermeiden: Usability und Accessibility gehen Hand in Hand. Da wir darüber schon mehrere Artikel geschrieben haben, möchten wir hier nicht nochmal unsere gesamte Argumentation ausrollen. Auch wenn man sich nicht selbst zitieren soll, um es kurz zu machen tun wir es trotzdem - Gebrauchstauglichkeit ist Benutzerfreundlichkeit ist Barrierefreiheit, wenn sie niemanden per Definition ausschließen soll:

Die Wortkombination aus Benutzer und Freundlichkeit, ist grundweg positiv besetzt. Sie stellt den Benutzer (auch die Benutzerin) eindeutig in den Vordergrund. Dabei wird keine Aussage darüber getroffen, über welche Fähigkeiten und technischen Rahmenbedingungen der Benutzer verfügt. Benutzerfreundlichkeit bedeutet einfach für alle, eben Benutzerfreundlichkeit für alle. Wer das schafft, der hat vermutlich mehr für Barrierefreiheit getan, als jede Wortspalterei es je tun kann.

Insofern ist uns nicht klar, wie das Fraunhofer Kompetenzzentrum Usability Engineering an den Kollegen vom Fraunhofer Kompetenzzentrum BIKA vorbei ein Portal im richtig alten Stil launchen konnte. Aber so ist es geschehen. Wir würden sagen: Chance vertan. Jetzt gibt es also ein neues Usability-Portal der Fraunhofer Gesellschaft. Mehr aber auch nicht. Schade.

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