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Technik die begeistert!

4. November 2004

Wer den Barrierekompass regelmäßig liest, weiß, dass wir gerne und regelmäßig über technologische Entwicklungen berichten, die das Leben irgendwie beeinträchtigter Menschen einfacher machen sollen. Ob es die Preisverleihung für Universelles Design und Assistive Technologie war, das Cochlea-Implantat für gehörlose Menschen, oder die Netzhautprothese für Blinde. Geforscht wird auf vielen Gebieten und meistens mit erstaunlichen, ja manchmal unglaublichen Ergebnissen.

Konrad Zuse sei Dank - Computer mit den Gedanken steuern

Als Konrad Zuse (1910-1995) den ersten programmgesteuerten Rechner der Welt gebaut hat, war ihm die Dimension seiner Erfindung sicherlich noch nicht bewusst. Vor allem die Möglichkeiten der Miniaturisierung dürften über sein Vorstellungskraft hinaus gegangen sein. Von seiner raumgreifenden Z1 ist heute im wahrsten Sinne des Wortes kaum noch etwas zu erkennen. Ein Fortschritt, der den Einsatz von Computertechnologie im menschlichen Körper, sozusagen als Hilfsorgan, erst möglich gemacht hat.

Das englischsprachige Online-Magazin Nature veröffentlichte kürzlich einen Bericht, nachdem Chirurgen einem 24 Jahre alten, vom Hals abwärts gelähmten Mann, einen Chip an die Stelle des Gehirns implantierten, die für motorische Steuerung zuständig ist. Mithilfe dieses Chips ist es dem Mann nun möglich, seinen Computer oder seinen Fernseher nur über seine Gedanken zu steuern. So konnte der 24 Jährige Mann schon E-Mails abrufen und versenden sowie Computerspiele spielen.

Der pillengroße Gehirnchip kann an hundert Neuronen andocken, um so den Nervenimpuls eines Gedanken abnehmen zu können. Damit ist das winzige Implantat mit dem "fluffigen" Namen BrainGate der amerikanischen Firma Cyberkinetics das bisher empfindlichste Implantant der Welt. Bisher war es nur möglich, dass querschnittgelähmte Menschen Computer mit Hilfe ihrer Augen oder ihrer Zunge steuerten. Allerdings war diese Methode durch die Muskelfunktion limitiert. Zudem war die Methode für die betroffenen Menschen extrem schwer zu erlernen, da diese sehr viel Training verlangte.

Deshalb arbeiten neben Cyberkinetics auch andere Unternehmen, wie etwa Neural Signals aus Atlanta an ähnlichen Erfindungen. So arbeiten einige Forscher an Chips, die mittels nicht invasiver Technologien die Gedanken der Patienten lesen können, was eher mit einem Auto mit Automatikschaltung zu vergleichen ist. Laut Cyberkinetics sei dies aber keine wirkliche Kokurrenz für BrainGate, da die für BrainGate eingesetzte Technik deutlich schneller und flexibler sei.

Stereo-Hörgerät, oder die Zukunft zieht ein

Ein weiteres Highlight zum Thema "Technik die begeistert" haben wir bei kobinet entdeckt. Demnach bringt Siemens ein Hörgerätesystem auf den Markt, das einen automatischen Stereosound bietet. Mit der neuen Technologie sollen schwerhörige Menschen genauso hören können wie Normalhörende. Die Technik basiert auf einem Trick: Im Gegensatz zu herkömmlichen Hörgeräten, die sozusagen im Paralellbetrieb liefen, kommunizieren die zwei Hörgeräte des Systems Acuris miteinander. Mithilfe dieser Arbeitsweise sind beide Hörgeräte stets optimal aufeinander eingestellt, was Schwerhörigen beidohriges, synchronisiertes Hören ermöglicht.

Die neuen Geräte von Siemens wird es für jeden Grad der Hörschwäche als System hinter dem Ohr oder im Ohr geben. Die Im-Ohr-Geräte verschwinden im Gehörgang und sind kaum sichtbar. Übrigens: In jedem der Winzlinge steckt etwa die Rechenkapazität eines Pentium-4-Prozessors, womit wir wieder bei Konrad Zuse angelangt wären.

Das Rechnergesteuerte System kann auf situationsbedingte Veränderungen der Geräuschumwelt reagieren und so zum Beispiel Störschall unterdrücken und Sprache verstärken. Das gleiche passiert, wenn ein Träger des Systems ein Handy verwendet. Das neue Hörgerät erkennt die Situation sofort und stellt das Telefon-Programm ein. Ergänzt wird das System durch eine Fernbedienung. Der Markt für ein derartiges System ist sicherlich vorhanden, denn nach offiziellen Schätzungen ist in den westlichen Industrieländern jeder zehnte Mensch schwerhörig.

Übrigens, da Siemens für seine unterschiedlichen Sparten sehr unterschiedliche Werbeslogans pflegt, stellt sich uns die Frage, welcher Slogan passt denn für das neue Hörgerät am besten? "Be inspired", "wir gehören zur Familie", oder "die Zukunft zieht ein".

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