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Sind das die Konzepte und Zukunftsbilder für ein Barrierefreies Internet?

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Wie immer, wenn die Aktion Mensch eine Veranstaltung organisiert, war es ein gelungenes Event. Schöne Räumlichkeiten, gute Vorbereitung, fast perfekte Barrierefreiheit. Kleiner Schönheitsfehler: Statt des angekündigten "Barrierefreien Barbecue" zum Abschluss, gab es dann doch "nur" leckeres Essen im Wintergarten. Es hatte sich wohl rausgestellt, dass die für das Grillen vorgesehene Wiese aufgrund von erheblichen Unebenheiten für ein Barrierefreies Barbecue doch ungeeignet gewesen wäre. In gewisser Weise ist also das barrierefreie Barbecue der Barrierefreiheit zum Opfer gefallen. Aber wo man so lecker speisen kann und nicht dafür zahlen muss, sollte man auch tunlichst nicht meckern.

Insgesamt 16 moderierte Workshops kanalisierten die zahlreich angereisten Teilnehmer, nachdem die Studie "Chancen und Risiken des Internets der Zukunft aus Sicht von Menschen mit Behinderungen" am Morgen einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt wurde. Jeder Teilnehmer hatte die Möglichkeit, zwei Workshops à zwei Stunden zu besuchen - einen am Vormittag, einen am Nachmittag. Zudem wurden alle Workshops live im Internet als Flash-Video-Stream mit einer Übersetzung in DGS übertragen. Insgesamt wurden so über 34 Stunden Video-Material aufgenommen. Diese werden in Kürze auch auf der Website zur Tagung bereitgestellt. Damit stehen dann die Erkenntnisse und Diskussionen der Workshops allen interessierten Nutzerinnen und Nutzern zur Verfügung.

Visionen für eine Barrierefreies Internet fehlten

Da wir unseren Beitrag mit einer Frage begonnen haben, wird es Zeit, diese Fragestellung aufzugreifen: Sind das die Konzepte und Zukunftsbilder für ein Barrierefreies Internet? In der Ankündigung zur EfA-Tagung und den einzelnen Workshops steht folgender Satz:

In den insgesamt 16 Workshops zu den Themenbereichen Gesellschaft, Wirtschaft, Technik und Design geht es darum, neue Ansätze für den Weg zum Internet der Zukunft, einem barrierefreien Internet zu diskutieren.

Iris Cornelssen, Projektleiterin bei der Aktion Mensch, hängt das Ziel sogar noch ein wenig höher auf:

Ziel ist es, gemeinsam mit den Fachleuten konkrete Lösungsansätze zu entwickeln und so Anbietern und Entwicklern von Internet-Angeboten zu helfen, diese barrierefrei zu gestalten.

Aufgrund der breit angelegten Teilnehmer-Struktur - von Menschen mit Behinderungen über Verbands-Vertreter bis hin zu Experten und Entscheidern aus Unternehmen, Politik, Wissenschaft und Medien - kann man wohl keine konkreten Lösungen in allen diskutierten Feldern erwarten. Wir können nur für vier Workshops sprechen, die wir zu zweit besucht haben, auch das ist angesichts von insgesamt 16 Workshops alles andere als repräsentativ. Bleiben noch die Pausengespräche und Diskussionen beim abschließenden Abendessen. Das Ergebnis ist, um das Fazit eines anderen Teilnehmers zu zitieren, "ernüchternd". Natürlich drängt sich da die Frage nach dem "Warum?" auf. Warum also war es ernüchternd?

Das lag zum einen sicherlich daran, dass viele Workshops nicht mit wirklich hochkarätigen Experten auf dem Podium besetzt waren - zumindest nicht für das Thema Barrierefreiheit. Zum anderen lag es aber auch an dem sehr hetereogenen Publikum, das mit dem Wunsch, Zukunftsvisionen für ein barrierefreies Internet zu entwickeln, überfordert war. So wirkten zum Beispiel nicht nur die drei "Experten" im Workshop "Verführt oder verloren. Was müssen barrierefreie Benutzeroberflächen leisten?" etwas hilflos. Frau Ehrenwasser von der technischen Universität Wien zeigte sich visionär, sprach über dreidimensionale Interfaces und von "ambient assistive living - AAL". Berd Rehling von Taubenschlag, selbst hörgeschädigt und sympathischer Vertreter dieser Lobby, konnte zwar gute Einblicke in die Probleme von hörgeschädigten und gehörlosen Menschen geben, aber als Experte auf dem Gebiet der Barrierefreiheit sah er sich mit Sicherheit selbst nicht. Detlef Girke freier Berater von BIK komplettierte die Runde, war aber möglicherweise für eine zukunftsorientierte Debatte über barrierefreie Benutzeroberflächen auch nicht der richtige Mann. Dem Moderator Stefan Nitzsche merkte man dann auch eine gewisse Verzweiflung an, denn die Debatte um das Kernthema "Verführt oder verloren" wollte zu keiner Zeit richtig in die Spur kommen.

Auch andere Besucher der Workshops haben Ihre Eindrücke gesammelt und dokumentiert. Sylvia Egger von sprungmarker.de fällte über den Workshop "Hübsch oder häßlich" ebenfalls kein gutes Urteil:

Wer glaubte, er würde sich mit den zukünftigen Entwicklungen auseinandersetzen, der war im falschen Workshop. Mit einer unglaublichen Haudegen-Mentalität wurden sowohl von den Design-Experten als auch von den Teilnehmern argumentative Leichen aus dem Keller geholt, dass mir wirklich ganz anders wurde.

Und auch Gerrit van Aaken hatte seine Probleme mit der Großveranstaltung von EfA:

Die Bezeichnungen der Sessions als "Workshops" war klar irreführend und komisch gewählt. Es wurde letztlich nichts erarbeitet! Sondern es waren halt drei Experten auf einem Podium, die durch hohe Publikumsbeteiligung mit Thesen und Fragen konfrontiert wurden, um diese dann zu diskutieren.

Trotz aller Kritik an den Workshops und den möglicherweise zu hoch gesteckten Zielen für die Experten-Veranstaltung, die Organisation der Veranstaltung, der gewählte Rahmen sowie der Zuspruch durch Besucher und Presse waren und sind beachtlich. Insofern gilt der Aktion-Mensch und der Stiftung Digitale Chancen ein großer Dank. Letztendlich sind die starke Präsenz der Aktion-Mensch und das Engagement für die Sache absolut wichtig. Und zusammen mit dem BIENE-Wettbewerb bringen Veranstaltungen wie die in Gelsenkirchen das Thema Barrierefreies Internet trotzdem weiter nach vorne.

Die BIENE fliegt wieder

Zum Abschluss der Tagung fiel dann auch der offizielle Startschuss für den BIENE-Wettbewerb 2008. Mit diesem Wettbewerb suchen die Aktion Mensch und die Stiftung Digitale Chancen bereits zum fünften Mal die besten barrierefreien, deutschsprachigen Internetangebote. Für die BIENE 2008 hat die Aktion Mensch im Vorfeld übrigens eine umfassende Studie initiiert, um zu ermitteln, wie Menschen mit Behinderung mit den Anforderungen des so genannten Web 2.0 zurecht kommen. Daran angepasst sind jetzt auch die neuen Wettbewerbs-Kriterien. Damit werden die Veranstalter am Ende ihrem Anspruch, Zukunftsbilder für ein Barrierefreies Internet zu entwickeln, doch noch gerecht. Jetzt bleibt nur noch abzuwarten, ob sich Agenturen im deutschsprachigen Raum an die barrierefreie Umsetzung von Web 2.0 Anwendungen getraut haben. Wir sind gespannt, die BIENE kann kommen.

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Die intensive Beschäftigung mit digitaler Barrierefreiheit spiegelt sich auch in diversen Auszeichnungen wider, die anatom5 seit 2003 erhalten hat, darunter 10 Nominierungen für einen BIENE-Awards der Aktion Mensch.

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