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Sicherheit kontra Barrierefreiheit

16. Juli 2004

Eigentlich ist es ja so, dass barrierefreie Internetseiten für mehr Sicherheit sorgen. Der Verzicht auf proprietäre Formate, wie beispielsweise ActiveX von Microsoft, bringt neben der Einsparung bei der Bandbreite auch eine Entschärfung der Sicherheitsproblematik beim Internetnutzer mit sich. Gleiches gilt auch für den sparsamen Umgang mit JavaScript, Java und anderen Zusatztechnologien für das Web, die ähnlich sicherheitskritisch wie ActiveX sind.

Wie kann also Sicherheit nun die Barrierefreiheit behindern? Natürlich möchte man im Internet nach Möglichkeit so wenig Informationen wie notwendig über die eigene Person veröffentlicht wissen und selbst die Preisgabe der E-Mail-Adresse birgt heute schon ein erhebliches Risiko. Zunehmend schwärmen intelligente Agenten aus, um E-Mail-Adressen auf Internetseiten einzusammeln und später mit Spam-Mails über Viagra und Brustvergrößerungen zuzudecken. Dazwischen findet sich auch der ein oder andere Virus und somit schließt sich der Kreis zum Sicherheitsaspekt. Findige Programmierer haben JavaScript-Lösungen entwickelt, mit denen die E-Mail-Adresse in der Seite angeblich verschlüsselt wird. Doch zum einen haben die E-Mail-Sammler diesen Trick längst durchschaut und ihre Programme darauf abgerichtet und zum anderen können alternative Anzeigegeräte, wie Lynx oder auch ein Mobiltelefon, schlichtweg nur Code-Müll anzeigen, wo dereinst eine gültige Kontakt-Adresse in Form einer E-Mail stand.

Sicherheitsprobleme scheinen all jene Dienste zu haben, die eine kostenlose Leistung anbieten und deren Reichweite derart groß ist, dass man automatisierten Anmeldern den Zugang erschweren möchte. Ein prominentes Beispiel: Yahoo Mail. Hier kann man nur dann ein E-Mail-Konto eröffnen, wenn man einen Sicherheits-Code eingibt, der in Form einer Grafik eingeblendet wird. Für normal sehende Menschen ist dies sicherlich eine brauchbare Lösung, wobei man zuweilen raten muss, um welche Kombination aus Buchstaben und Zahlen es sich handelt. Menschen mit einer Sehbehinderung jedoch werden Probleme mit diesem Sicherheitsmechanismus haben, denn die Grafik lässt sich nicht vergrößern und hält auch keinen Alternativ-Text bereit. Screenreader bleiben somit gänzlich außen vor. Kein Zugang ohne Nummer.

Kein Wunder also, dass inzwischen viele Dienste von dieser Lösung abgerückt sind. Ein populäres Beispiel in den USA war die Seite von NetworkSolutions, auf der man überprüfen kann, wem eine Domain gehört. Auch für diese Abfrage wurde bis vor kurzem noch ein solcher Sicherheits-Code abgefragt, inzwischen ist die Abfrage jedoch verschwunden. Es wird sicher noch einige Zeit dauern, bis Barrierefreiheit und umfassende Sicherheit unter einen Hut zu bringen sind. Bis dahin gilt das gleiche Prinzip, das sich im Umgang mit der BITV als sinnvoll erwiesen hat: den besten Kompromiss finden und durch technische Lösungen niemanden ausschließen.

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