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Sehbehinderungen und Blindheit simulieren

23. Juli 2004

Da waren die Kollegen von CSS-Technik einen Schritt schneller, allerdings war der Artikel zu diesem Zeitpunkt bei uns auch schon in Arbeit. Daher nun der Nachtrag zu einem Werkzeug, das von IBM kostenlos angeboten wird und sich an Webentwickler wendet, die Internetseiten barrierefrei gestalten wollen oder im Kundenauftrag erstellen müssen.

Das Programm heisst aDesigner und simuliert Farbblindheit, Fehlsichtigkeit, Blindheit und Alters-Erscheinungen, die das Betrachten einer Seite beeinflussen können. Zwar gibt es bereits Lösungen, die Farbfehlsichtigkeit berücksichtigen und überprüfbar machen, aber mit aDesigner hat IBM eine wirklich interessante Software auf den Markt gebracht, die absolut praxistauglich ist und Entwicklern beim Erstellen barrierefreier Internetanwendungen helfen kann.

Die Benutzeroberfläche von aDesigner ist ansprechend und intuitiv bedienbar. Viele Einstellmöglichkeiten sind möglich und lassen sich sofort an Beispielen testen. Die Hilfe ist gut, wenngleich das gesamte Programm derzeit leider nur in englischer oder japanischer Sprache verfügbar ist. Die Ansicht ist dreigeteilt, sprich drei Rahmen, in denen das Ergebnis angezeigt wird. Im ersten Rahmen wird die Seite, so wie man sie normal sehen sollte, dargestellt. Im zweiten Rahmen die simulierte Version, je nach Einstellung, und im dritten darunterliegenden Rahmen werden die Ergebnisse in Listenform ausgegeben. Dazu verweist das Programm auf die entsprechenden WCAG-Richtlinien und bietet per Rechtsklick zudem noch die Möglichkeit, sich direkt beim W3C über den genauen Wortlaut der einzelnen Prüfpunkte zu informieren. Das Ergebnis lässt sich überdies abspeichern, was zuweilen zu recht großen Grafik-Dateien führen kann, dennoch kann man auf diese Weise gute Vorher-Nachher-Vergleiche anstellen, denn der Fehler-Report wird - ebenso wie die sehr hilfreiche Problemzonen-Karte - mit allen anderen Daten der analysierten Seite gespeichert.

Zuweilen werden Ergebnisse auch visualisiert dargestellt. Dabei bedient man sich eines Polaritäten-Profils, das die Faktoren "Compliance, Navigability & Listenability" abbildet und zeigt, wo eine Seite gegebenenfalls noch nachgebessert werden muss. Verfügt man über einen Screenreader, dann kann man sich das Ergebnis der Blinden-Simulation auch akustisch ausgeben lassen. Als zusätzliche Information wird eine Art Schulnote ausgeben, die von A+ bis C reicht. Warum man sich hier nicht an den WCAG-Bewertungen orientiert hat, bleibt wohl eine Frage, die man an die Entwickler richten sollte. Scheinbar diente das amerikanische Schulnoten-System zum Teil als Vorlage.

Probleme hat aDesigner vor allem mit Frame-Seiten, die sich nicht vernünftig simulieren ließen. Gut hingegen ist die Übersichtlichkeit, mit der man Probleme gezielt eingrenzen, im Simulations-Modus anzeigen lassen und dann beheben kann. Zudem wird auf diese Weise anschaulich gezeigt, wie die WCAG-Richtlinien in der Praxis funktionieren beziehungsweise wie diese angewendet werden sollen.

Gegenwärtig ist das Programm leider nur für Windows-Betriebssysteme und hier auch nur für die Versionen Windows 2000 und XP verfügbar. Da das gesamte Paket jedoch auf Java-Basis entwickelt wurde (auch Windows-Benutzer benötigen eine aktuelle Java-Version), könnte es für andere Plattformen ebenfalls zur Verfügung gestellt werden. Eine entsprechende Anfrage an IBM blieb leider bislang unbeantwortet.

Nachschlag für Screenreader-Benutzer

Unser Dank gilt Petra Ritter, die uns freundlicherweise zwei Skripte für aDesigner und JAWS zum Download bereitgestellt hat. Damit läßt sich das Programm aDesigner auch mit einem Screenreader unter Windows nutzen. Folgende Dateien sind verfügbar:

  • Dokumentation
  • Skript für Version 4.5.1 von JAWS
  • Skript für Version 5.0 von JAWS

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