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Rezension des Wörterbuchs für leichte Sprache

14. September 2006

Zu meiner eigenen Schande muss ich gestehen, dass wir vor Ewigkeiten (es war auf jeden Fall in diesem Jahr) beim Netzwerk People First Deutschland e.V. ein Rezensions-Exemplar des Wörterbuchs für leichte Sprache angefordert hatten. Wir haben es bekommen, dafür an dieser Stelle ein Dankeschön. Rezensiert haben wir es bisher allerdings noch nicht. Keine Ahnung, was ich persönlich von dem Buch erwartet habe, aber das was ich damals bekommen habe, hat dazu geführt, dass ich die Rezension so lange vor mir her geschoben habe.

Ein paar Worte vorneweg

Zunächst vielleicht ein paar Informationen zur Präsentation und zum formellen Aufbau. Das Wörterbuch ist etwa daumendick, der genaue Umfang lässt sich aufgrund fehlender Seiten-Nummerierung nur schätzen. Das vermutlich etwa 150 Seiten umfassende Werk wird von einer einfachen Spiralbindung zusammengehalten und liegt in der Hand wie ein mittleres Telefonbuch. Der beachtliche Umfang ergibt sich allerdings durch die besonders große Schrift im Wörterbuch und sollte niemanden abschrecken.

Das Buch besteht aus insgesamt fünf, auch farblich voneinander getrennten, Teilen. Relevant für das Schreiben einfacher Texte sind vor allem Teil 1 "Tipps und Tricks für leichte Sprache" und Teil 4 "Sag es einfach". Letzteres sind die europäischen Richtlinien für die Erstellung von leicht lesbaren Informationen für Menschen mit geistiger Behinderung. Auf diesen Richtlinien basiert auch der "Leitfaden zum Erstellen von Texten im Internet", der bei der Stiftung Digitale Chancen frei zugänglich ist.

Interessant an Teil 4 ist vor allem die Antwort auf die Frage "Was bedeutet leicht lesbar?". Denn beim Thema einfache Sprache scheiden sich auch bei Barrierefreiheit-Experten immer wieder die Geister. Deshalb vielleicht an dieser Stelle ein Zitat aus den europäischen Richtlinien, also von höchster Stelle:

Die Frage, ob ein Text leicht lesbar oder verständlich ist, hängt sehr von den Fähigkeiten und Erfahrungen der Leserinnen und Leser ab. Das Konzept der "leichten Lesbarkeit" kann deshalb nicht universal sein. Es wird nicht möglich sein, einen Text zu verfassen, der den Fähigkeiten aller Menschen mit Lese- und Verständnisproblemen entspricht.

Dieses Zitat ist vielleicht die bedeutendste Erkenntnis aus dem Wörterbuch für leichte Sprache. Denn leider orientiert sich das Buch selbst nicht an diesem eingeschränkten Universal-Anspruch. Im Gegenteil. Das betrifft auch Teil 1, der zwar mit seinen Tipps und Tricks zum Nachdenken anregt, aber mit Hinweisen wie, "Lassen sie Menschen mit Lernschwierigkeiten Ihr Schriftstück überprüfen" wenig praxistauglich ist.

Teil 2 des Wörterbuchs für leichte Sprache entspricht am ehesten dem Titel. Es ist das Wörterbuch, und enthält ein Wörterverzeichnis zu Themen, wie Gesundheit, Computer, Politik und Recht. Dieses richtet sich in der Tat an lernbehinderte Menschen und ist als Richtlinie für einfaches Schreiben ungeeignet. Wohl aber bietet dieser Teil Einblicke in die Schwierigkeit und Komplexität der deutschen Sprache.

Ein Fazit:

Insgesamt scheint das Wörterbuch für leichte Sprache, das zum Preis von 16,- Euro plus Versandkosten erhältlich ist, zum Beispiel für Internetredakteure wenig hilfreich. Und letztendlich enthält es, abgesehen vom "Wörterverzeichnis" viele Informationen, die an anderer Stelle im Internet kostenlos zur Verfügung stehen. Allerdings richtet sich das Buch nach eigener Aussage auch in erster Linie an Menschen mit Lernschwierigkeiten sowie an deren Unterstützer, die Informationen in leichter Sprache brauchen. Erst danach sind Menschen in Ämtern, Schulen oder der Politik adressiert, die nicht wissen, wie sie Informationen in leichter Sprache geben können.

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