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Rallye-Dakar und Autofahren für Blinde

9. Januar 2004

Der 53-jährige Franzose Michel Point wollte als erster blinder Kopilot an der berühmten Dakar-Rallye teilnehmen. Doch wenige Tage vor dem Start entzog der Automobil-Weltverband dem Franzosen die Lizenz, nachdem die Veranstalter die Anmeldung von Point und dessen Fahrer Nicholas Richard eigentlich bereits akzeptiert hatten.

Der Automobil-Weltverband begründete die Entscheidung mit Sicherheitsbedenken. Michel Point war über die Entscheidung sehr verärgert:

Jedes Jahr dürfen Menschen mit körperlichen Behinderungen bei der 'Dakar' mitfahren. Sie sollen mich mitmachen lassen und dann urteilen.

Auch Renndirektor Patrick Zaniroli war von der Machbarkeit des Unterfangens überzeugt. Natürlich hatten Michel Point und sein 34 Jahre alter Partner das Rennen in allen Details vorbereitet. Ihr Fahrzeug wäre unter anderem mit einem Navigationssystem und einem Computer ausgestattet, der den Streckenplan lesen kann. Für Point hatte man ein Computer-Programm erarbeitet, dass alle Informationen des Roadbooks in Braille-Schrift wiedergeben kann.

Ermöglicht hatte dies die deutsche Firma Papenmeier aus Schwerte. Mit ihrem Linux gestützten persönlichen Datenassistenten BRAILLEX ELba hätte sie die Voraussetzung für die Teilnahme des blinden Kopiloten an der weltberühmten Paris-Dakar-Rallye geschaffen. Trotzdem war dem französischen Verband das Unternehmen zu riskant, befürchtete man doch, dass andere Teilnehmer hätten gefährdet werden können.

Die Motivation, die Michel Point zur Teilnahme an diesem Projekt bewegt hatte, ist eine doppelte: Einerseits spielt die sportliche Herausforderung eine sehr große Rolle, andererseits ist es ihm wichtig, der Öffentlichkeit deutlich zu machen, wozu Blinde fähig sind. So hätte er zeigen können, dass die Behinderung in den Hintergrund tritt, wenn kompensierende Hilfsmittel zur Verfügung gestellt werden. Durch seine Teilname an der Dakar-Rallye wollte er die Sichtweise, die 'Sehende' sehbehinderten Menschen entgegenbringen, in Frage stellen und wenn möglich verändern.

Dass es bei der diesjährigen Rallye nicht geklappt hat, ist sehr schade. Wir drücken Michel Point aber fest die Daumen, dass er sich und anderen seinen Traum noch erfüllen kann. Für die barrierefreie Informations-Technologie, ohne die das Vorhaben von Michel Point völlig undenkbar wäre, würde ein Erfolg des Franzosen sicherlich auch ein Schritt nach vorne bedeuten. Vielleicht würde dann niemand mehr barrierefreies Internet als 'Autofahren für Blinde' abtun.

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