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Oralux - das akustische Betriebssystem

31. Januar 2005

Linux steht nicht unbedingt ganz oben auf der Liste der einfach benutzbaren Betriebssysteme. Zumindest nicht bei Menschen, die auf grafische Benutzeroberflächen angewiesen sind und die seit mehreren Jahren die Benutzerführung von Microsoft Windows erlernt haben. Das dürfte weltweit wohl die absolute Mehrheit sein. Dennoch lässt sich der Kostenvorteil von Linux nicht leugnen, denn inzwischen gibt es nicht nur das Beriebssystem kostenlos, sondern auch zahlreiche Zusatzanwendungen, vom Office-Paket bis zum Grafikprogramm.

Hören statt sehen

Mit Oralux gibt es inzwischen eine Linux-Distribution, die speziell auf die Bedürfnisse von sehbehinderten Benutzern abgestimmt ist. Das Zusammenspiel von Knoppix und dem TTS Programm flite führt dazu, dass Oralux optimal auf die Bedürfnisse sehbehinderter Menschen abgestimmt ist. Sowohl blinde als auch sehbehinderte Menschen nutzen Text-To-Speech-Systeme, um sich die Welt am Computer zu erschließen. Vor allem das Vorlesen langer Texte ist mit Hilfe von Sprachausgabe eine spürbare Erleichterung im Umgang mit dem PC. Ergänzt man das Leistungspaket noch um einen Scanner und eine leistungsfähige OCR-Software, können sich blinde und sehbehinderte Menschen auch Drucksachen erschließen.

Ein Vorteil von Oralux ist die Tatsache, dass man es nicht installieren muss, denn man kann es direkt von CD aus starten. Man legt die CD einfach vor dem Rechnerstart in das Laufwerk ein und das Betriebssystem startet direkt von der CD aus. Der Benutzer wird nach dem Start akustisch durch das weitere Menü geführt. Im Leistungspaket von Oralux ist neben Emacspeak, einer Sprachausgabe für den Editor Emacs, mit YASR auch ein einfacher Screenreader enthalten, der jedoch mit seinen kommerziellen Geschwistern nicht mithalten kann. Treffend formuliert es das Linux-Magazin:

Zurzeit kann freie Software für Blinde und Sehbehinderte noch nicht mit kommerzieller Software mithalten, insbesondere beim Bedienungskomfort. Bis Projekte wie Gnopernicus Linux-Anwendungen für eine größere Zahl von behinderten Endanwendern erschließen, erinnert die Situation etwas an die Anfangszeit des alternativen Betriebssystems: Freie Software bleibt vorerst den Technik-Enthusiasten vorbehalten, die genug Begeisterung und Geduld aufbringen, sich intensiv mit der Materie auseinanderzusetzen und Schwierigkeiten zu überwinden.

In den USA sind blinde und sehbehinderte Menschen oft gezwungen, sich mit dem fehlenden Bedienungskomfort abzufinden. Dort greift man nämlich aus Kostengründen zu freier Software, wie beispielsweise Oralux oder auch Gnopernicus. Deutsche Krankenkassen finanzieren gegenwärtig zumeist auch die teuren kommerziellen Lösungen für blinde und sehbehinderte Menschen, die zumeist auch die Bedienung komplexer Arbeitsabläufe deutlich komfortabler gestalten. Und dennoch: Oralux ist schon heute eine ernstzunehmende Alternative für sehbehinderte Neueinsteiger am Computer. Die stetige Weiterentwicklung und die stabile Knoppix-Basis bieten hierfür eine hervorragende Ausgangssituation.

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