Neue Website der MLBF: Solider Start, aber kein Leuchtturmprojekt
Die Marktüberwachungsstelle der Länder für die Barrierefreiheit von Produkten und Dienstleistungen (MLBF) hat endlich eine eigene Website gestartet. Bislang war die Behörde eher versteckt innerhalb der Landesverwaltung Sachsen-Anhalt untergebracht. Wer Informationen zum Barrierefreiheitsstärkungsgesetz (BFSG), zu Zuständigkeiten oder aktuellen Entwicklungen suchte, landete auf einer eher spröden Unterseite ohne echte Eigenständigkeit.
Dass die gemeinsame Marktüberwachungsstelle der 16 Bundesländer jetzt unter einer eigenen Domain erreichbar ist, ist deshalb erstmal eine gute Nachricht. Allein die Sichtbarkeit der Institution dürfte dadurch deutlich steigen. Gerade mit Blick auf das BFSG und die kommenden Marktüberwachungsaufgaben war ein eigenständiger Auftritt längst überfällig. Interessant ist dabei auch, dass die alte Präsenz ein Accessibility-Overlay eingebunden hatte. Ausgerechnet bei einer Stelle, die sich mit Barrierefreiheit beschäftigt. Solche Overlay-Lösungen werden in der Accessibility-Community seit Jahren kritisch diskutiert, weil sie häufig Symptome kaschieren statt strukturelle Probleme zu lösen. Insofern wirkt der neue Auftritt bereits deshalb wie ein Fortschritt. Allerdings entsteht beim Blick ins Detail schnell ein gewisser Widerspruch. Man würde erwarten, dass die zentrale Marktüberwachungsstelle für digitale Barrierefreiheit eine Art Referenzprojekt veröffentlicht. Eine Seite, an der sich andere orientieren können. Technisch sauber, semantisch präzise und mit einem erkennbar tiefen Verständnis dafür, wie assistive Technologien tatsächlich arbeiten. Genau dieser Eindruck stellt sich momentan noch nicht vollständig ein.
Schon im Quellcode fallen diverse kleinere ARIA-Auffälligkeiten auf. Nichts davon macht die Website unbenutzbar oder grundsätzlich schlecht. Aber man merkt relativ schnell, dass hier offenbar keine besonders tiefe Accessibility-Qualitätssicherung stattgefunden hat. Ein Beispiel sind dekorative Schmuckgrafiken mit Alternativtexten wie: „Symbolische Grafik zur Barrierefreiheit: Mehrere miteinander verbundene Piktogramme stehen für die verschiedenen Anwendungsbereiche des Barrierefreiheitsstärkungsgesetzes.“ Das ist eine typische Form von „zu viel erklären“. Die Grafik transportiert keine relevante Information, die für das Verständnis der Seite notwendig wäre. Eigentlich müsste sie von assistiven Technologien ignoriert werden können. Stattdessen erhält sie einen ausführlichen Beschreibungstext — und wird zusätzlich sogar noch über role="region" und aria-label="Titelbild" zur Landmark gemacht. Genau das Gegenteil dessen, was man bei dekorativen Inhalten normalerweise erreichen möchte. Auch Labels wie aria-label="Hauptnavigation in der Seitenleiste" wirken etwas seltsam. Der Zusatz „in der Seitenleiste“ beschreibt letztlich eine visuelle Positionierung. Für Screenreader-Nutzerinnen und -Nutzer ist diese Information meist irrelevant. Ein einfaches „Hauptnavigation“ wäre semantisch deutlich sauberer gewesen.
Das sind keine dramatischen Probleme. Eher Indikatoren dafür, wie Accessibility in vielen Projekten immer noch verstanden wird: Man ergänzt ARIA, beschreibt Bilder möglichst ausführlich und meint es oft sogar besonders gut. Dabei entsteht schnell zusätzliche Komplexität oder unnötige Verbosität für assistive Technologien. Trotzdem sollte man die neue Website nicht schlechter reden als sie ist. Es gibt jetzt endlich einen zentralen Ort, an dem Aufgaben, Zuständigkeiten, Hinweise und Neuigkeiten der MLBF veröffentlicht werden. Allein das dürfte für Unternehmen, Behörden und Verbände hilfreich sein. Die Institution wird sichtbarer und greifbarer. Gerade deshalb wäre es schön gewesen, wenn der erste Aufschlag technisch und konzeptionell etwas kompromissloser ausgefallen wäre. Eine Marktüberwachungsstelle für digitale Barrierefreiheit steht automatisch unter besonderer Beobachtung. Menschen schauen genauer hin. Nicht aus Häme, sondern weil sie erwarten, dass hier Maßstäbe gesetzt werden. Vielleicht entwickelt sich die Seite genau in diese Richtung noch weiter. Viele der Punkte sind korrigierbar. Die Grundlage dafür ist jedenfalls deutlich besser als beim vorherigen Auftritt.
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