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.mobi statt WAP

8. September 2006

Ein Qualitätsstandard soll den Erfolg mobiler Angebote garantieren. Barrierefreies Design ist eine gute Ausgangsbasis. So untertitelt die Internet World in ihrer Ausgabe vom 28. August 2006 einen Artikel zum Thema .mobi und mobile Webinhalte. Nun ist die Reichweitenerhöhung von barrierefreien Internetseiten durch ihre grundsätzliche Plattformunabhängigkeit ja eines der wichtigsten Argumente außerhalb des Dunstkreises der BITV. Denn in der Theorie bedeutet Barrierefreiheit, dass Internetseiten sowohl plattform- als auch browserübergreifend problemlos dargestellt werden können. Wobei es eben keine Rolle spielen soll, mit welchem Endgerät Webinhalte abgerufen werden.

Internet auf dem Handy

Ob mobile Endgeräte, wie beispielsweise Handy und PDA, oder Computer am Arbeitsplatz, die Inhalte von barrierefreien Internetseiten sind vom Prinzip her immer zugänglich. Trotzdem werden die Inhalte auf mobilen Endgeräten leider oftmals nicht, oder nur falsch dargestellt. Warum das so ist erwähnt der ganzseitige (Werbe)Artikel über .mobi in der Internet World nicht. Die Daseinsberechtigung von .mobi, der neuen Top Level Domain, zum Beispiel für den Kicker (www.kicker.mobi), erklärt der Artikel wie folgt und beruft sich dabei auf die Tatsache, dass 99% aller nicht barrierefreien Seiten auf mobilen Endgeräten überhaupt nicht funktionieren:

(…) selbst hochwertige Smartphones und Handhelds (scheitern) oft, wenn es darum geht, eine normale, für einen PC gemachte Website anzuzeigen. Es reicht schon eine mit Flash-Elementen animierte Navigation, um die Seite völlig unbenutzbar zu machen. Eine tiefe Frustration des Nutzers ist vorprogrammiert.

So simpel ist das? Aber was hat das mit Barrierefreiheit zu tun und wieso braucht es mit .mobi einen extra Service für mobile Inhalte (ein Versuch, mit dem schon WAP gescheitert ist). Und wieso beruft sich .mobi auf die technischen Standards des W3C, beziehungsweise die Anforderungen an Barrierefreies Webdesign, wenn doch grundsätzlich barrierefreie Internetseiten auch auf mobilen Endgeräten dargestellt werden können? Der Artikel kommt zu folgendem Schluss:

Wer sich mit den Anforderungen an Barrierefreies Webdesign auseinander gesetzt hat, wird die meisten der vom W3C formulierten Empfehlungen bereits kennen. Daraus folgt, dass sich ein barrierefrei gestaltetes Online-Angebot besonders leicht für die Verwendung mit einer .mobi-Domain nutzen lässt. 

Ach so!? Also ein barrierefrei gestaltetes Online-Angebot, das eigentlich problemlos auf mobilen Endgeräten dargestellt werden können sollte, was in der Realität tatsächlich nicht immer so ist, funktioniert mit einer .mobi TLD auf den gleichen mobilen Endgeräten unter den gleichen Rahmenbedingungen hervorragend?! Sicher nicht. Denn das Problem sind nicht die barrierefrei gestalteten Internetseiten an sich, sondern die unterschiedlichen Browser der mobilen Endgeräte, die größtenteils schlicht und ergreifend bestehende Richtlinien (Stichwort UAAG) und Standards (Stichwort: HTML & CSS) nicht korrekt unterstützen. Mit anderen Worten: Eine standardkonforme, beziehungsweise barrierefreie, Internetseite, die sich an die Vorgaben des W3C hält, wird mit einem nicht standardkonformen Browser, der sich nicht an diese Vorgaben hält, aufgerufen und nicht, oder nur fehlerhaft dargestellt.

Mobile Endgeräte hadern mit Standards

Weil also die meisten Browser mobiler Endgeräte nicht in der Lage sind, den Medientyp einer Internetseite auszuwerten und diese entsprechend darzustellen, wie es Firefox und andere Browser für Windows und andere Betriebssysteme auf normalen Desktop-Computern tun, bietet .mobi die Möglichkeit an, über die eigene Top Level Domain eine extra für mobile Endgeräte angefertigte Seite aufzurufen. Wobei die gleiche Seite (siehe Kicker-Beispiel) wiederum über einen klassischen Web-Browser eines Desktop-Computers aufgerufen ebenfalls einen zweifelhaften Wert besitzt. Insofern ist das Angebot von .mobi lediglich eine Interimslösung, bis Browser für mobile Endgeräte offizielle Standards einhalten.

Aber es gibt auch noch eine andere Lösung. Denn mit einer Aussage hat der Internet World Artikel über .mobi Recht: Barrierefreies Webdesign ist eine gute Ausgangslage. Und wer seine Web-Inhalte unbedingt auch auf mobilen Endgeräten anbieten möchte, dem genügt ein alternatives Stylesheet für den Medientyp "Handheld" sowie eine "Browserweiche" für alle Browservarianten mobiler Endgeräte, die keine Standards unterstützen. Das dürfte auch nicht teurer sein als das Angebot von .mobi und es ist genausowenig standardkonform. Es ist aber auch eine mögliche Lösung.

Letztendlich wäre das alles aber auch gar nicht so schlimm, wenn .mobi nicht neuerdings einen Emulator anpreisen würde, um zu demonstrieren, wie schlecht Internetseiten auf mobilen Endgeräten funktionieren. Zumindest auf dem Nokia N70, das der Emulator wohl repräsentiert. Leider funktioniert auch die barrierefreieste Internetseite nicht auf diesem Emulator. Das könnte durchaus den einen oder anderen Kunden auf den Plan rufen, der sich wundert, warum seine plattformunabhängige Internetseite denn nicht auf mobilen Endgeräten funktioniert. Von mangelnder Standardkonformität der Browser und der Tatsache, dass nicht alle Browser mobiler Endgeräte dieses Ergebnis produzieren, wie ich mit meinem alten Nokia 7650 schon vor längerer Zeit festgestellt habe, findet sich im Umfeld des Emulators kein Wort. Warum auch, hat doch .mobi ein ganz anderes Interesse. Aber sobald die Browser die erforderlichen Standards einhalten, ist das Angebot von .mobi überflüssig.

Fruchtig: xFruits als kostenlose Alternative

Wie so oft gibt es auch ganz andere Ansätze für eine browsergerechte Umsetzung von Websites für mobile Endgeräte. Einen sehr interessanten und benutzerfreundlichen Ansatz für alle, die ihre Inhalte über eine RSS- bzw. XML-Schnittstelle ausgeben können ist der Service von xFruits eine tolle Sache. Wir haben es mit dem Barrierekompass ausprobiert und mit den meisten der folgenden mobilen Endgeräte funktioniert es auch:

  • Opera Mini
  • Internet Explorer Pocket
  • Serie 60 Browser
  • Minimo
  • Konqueror Embedded
  • OpenWave
  • ThunderHawk
  • Obigo 

Wir sind jedenfalls gespannt, ob sich .mobi durchsetzen wird. Angesichts der Alternativen dürfte es sicherlich nicht leicht sein. Eine ganz andere Frage ist die, ob es wünschenswert ist, dass sich ein derartiges Übergangsformat durchsetzen sollte.

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