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Konfusion regiert die Debatte um Barrierefreiheit

18. Februar 2005

Kürzlich auf der Corporate Citizenship NRW, einem Kongress und Projektmarkt zum Thema Verantwortung erkennen und Engagement zeigen, hatten wir die Gelegenheit uns mit anderen Unternehmen über das Thema Corporate Citizenship zu unterhalten. Dabei kamen wir auch mit einigen Wirtschaftssenioren ins Gespräch, die vor allem Unternehmensgründern (früher nannte man die noch Startups) mit ihrem Fach- und Branchen wissen zur Seite stehen.

In dem Gespräch ging es auch um Barrierefreies Internet, und es stellte sich heraus, dass das Thema im Prinzip keiner Erklärung bedurfte. Der Grund hierfür war allerdings so banal, wie überraschend. Offensichtlich haben diese Wirtschaftssenioren nämlich einige Gründer unter ihren Fittichen, die sich genau mit diesem Thema gerade selbstständig machen wollen. Gut, das war abzusehen und könnte durchaus erfreulich sein. Wohl gemerkt, könnte.

Von Buttons, Zertifikaten und Plaketten 

Aber darum soll es hier gar nicht gehen. Viel interessanter nämlich war die Tatsache, dass man der Meinung war, dass es für barrierefreie Internetseiten schon Zertifikate gäbe. Man hatte diese sogar selbst schon gesehen. Das Missverständnis war zwar schnell aufgeklärt, es handelte sich um die allseits beliebten W3C-Buttons, aber die Problematik kam uns bekannt vor. Wenn die vorhandenen Buttons als Zertifikate wahrgenommen werden, und "Träger" dieser Zertifikate schon als barrierefrei gelten, wie sehr wird dann wohl ein offizielles DIN-Zertifikat zur reinen Plakette verkommen?! Einmal Stempel drauf und gut ist!

Konfusion herrscht nicht nur in Deutschland 

Vielleicht sollte man an dieser Stelle aber auch mal darauf Hinweisen, dass der Streit um die Sinnhaftigkeit eines Prüfsiegels und die damit verbundene Frage der Zertifizierbarkeit von barrierefreien Internetseiten kein rein deutsches Problem ist.

In diesem Zusammenhang möchten wir eine recht aktuelle Meldung vom 25.01.2005 aus England zitieren. Carol Monoyios, Director Marketing bei RNID, dem größten Sprachrohr der etwa 9 Millionen schwerhörigen und gehörlosen Menschen in Großbritannien, hat im Zuge eines geplanten Relaunches der offiziellen Website der Organisation folgendes festgestellt:

Automatisierte Tests sind ein guter Anfang, sie können allerdings niemals alle von der WCAG empfohlenen Prüfpunkte abdecken. RNID hat deshalb umfangreiche Tests mit realen Menschen durchgeführt, um sicherzustellen, dass die Seite einfach zu nutzen und zu navigieren ist. Wir haben darüber hinaus versucht, einfache Inhalte zu entwickeln, sodass die Site auch für Menschen zugänglich ist, deren erste Sprache nicht Englisch ist, wie das bei vielen Benutzern der Britischen Gebärdensprache der Fall ist.

Dem ist eigentlich nichts weiter hinzuzufügen. Nur eins vielleicht noch, es hat mich einige Mühe gekostet herauszufinden was RNID eigentlich bedeutet. Denn Acronyme und Abbriviations werden auch bei RNID nicht ausgezeichnet. Allerdings wendet sich die Seite auch hauptsächlich an schwerhörige und gehörlose Menschen. Und die Auszeichnung von Acronymen und Abbriviations ist halt doch eher was für Benutzer von Screenreadern oder Accessibility-Fundis. Scheinbar kocht auch jenseits des Kanals jede Anspruchs-Gruppe ihr eigenes Süppchen und schaut am liebsten auf den eigenen Teller. Auch das kennen wir aus Deutschland - und auch das ist ein Problem eines DIN-Zertifikats für barrierefreie Internetseiten. Denn wer wirklich versucht, das Internet so barrierefrei wie möglich für alle zu machen, der muss erkennen, dass ein Zertifikat, das auf technischen Prüfschritten basiert, der falsche Weg ist. Auch, wenn auf EU-Ebene an einem solchen Zertifikat gearbeitet wird.

Übrigens, das RNID bereitet seinen Relaunch nicht nur in Form von PR-Meldungen vor. Begleitend hat man eine CSS-basierte Präsentation ins Netz gestellt, die in schickem Gewand und in ganz kurzen Sätzen die 10 wichtigsten Punkte zum Thema Barrierefreiheit im Internet beschreibt. Leider auf Englisch, ansonsten vorbildlich. Bis auf einen kleinen Schönheitsfehler. Wer ihn findet, darf ihn behalten.

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