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Gebärdensprache und Barrierefreiheit in der Praxis

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Ein Ansatz, um Barrierefreiheit auf technischer Ebene zu erlangen, ist beispielsweise die Einhaltung des Dogma W4, das wir kürzlich hier vorgestellt haben. Aber auch das ist nur ein Schritt in Richtung Barrierefreiheit.

Die Polizei NRW hat es im letzten Jahr vorgemacht und nur wenige sind bisher dem guten Beispiel gefolgt. Die Rede ist von alternativen Inhalten in Deutscher Gebärdensprache. Als Video können Inhalte auf diese Weise auch für gehörlose Menschen zur Verfügung gestellt werden, denn nur wenige Gehörlose sind in der Lage, die Laut- und Schriftsprache fließend zu verstehen. Genau deshalb schreibt das BGG in §6 auch folgendes vor:

Hörbehinderte Menschen (Gehörlose, Ertaubte und Schwerhörige) und sprachbehinderte Menschen haben nach Maßgabe der einschlägigen Gesetze das Recht, die Deutsche Gebärdensprache oder lautsprachbegleitende Gebärden zu verwenden. Soweit sie sich nicht in Deutscher Gebärdensprache oder mit lautsprachbegleitenden Gebärden verständigen, haben sie nach Maßgabe der einschlägigen Gesetze das Recht, andere geeignete Kommunikationshilfen zu verwenden.

Eine gänzlich in DGS und Schriftform vorliegende barrierefreie Seite gab es im deutschsprachigen Raum bislang nicht. Seit dem 01.10.2004 hat die Firma Gebärdenwerk eine neue Website online geschaltet, die genau diese beiden Punkte kombiniert. Kein Wunder, denn das Unternehmen besteht aus einem Team von gehörlosen Pädagogen, Technikern und Kaufleuten und setzt sich intensiv mit den Einsatzmöglichkeiten der Gebärdensprache auseinander. Die Internetseite vermag technisch zu überzeugen, das Design ist Geschmackssache. Barrierefrei ist die Seite in jedem Fall und das ist in in der Tat eine gute Nachricht.

Ob die Geschäftsidee des Hamburger Spezialisten für Gebärdensprache aufgeht, ist vor allem davon abhängig, wie die Wirtschaft auf das Thema reagiert. Lediglich 80.000 Menschen in Deutschland sind die Zielgruppe - das wird vermutlich nicht viele Marketing-Entscheider davon überzeugen, ihre knappen Budgets in Gebärdensprach-Videos zu investieren. Sicher ist jedoch, dass dieser Nischenmarkt gute Voraussetzungen bietet, um zumindest im öffentlichen Sektor und bei Public-Private-Partnerships zu überzeugen. Doch auch hier droht Konkurrenz: das kürzlich vorgestellte System Guido zeigt, dass die Technik sich in diesen Bereich ausweitet und durch standardisierte Gebärden und austauschbare Avatare durchaus ein ernstzunehmender Konkurrent ist.

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