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Fachtag Barrierefreiheit KI und Automatisierung

Veröffentlicht am:
Autor: Jörg Morsbach
Firma: anatom5 perception marketing GmbH

Beim Fachtag „KI und Automatisierung – mehr Zugang, weniger Aufwand?“ diskutierten am 1. April 2026 Fachleute aus den Bereichen digitale Barrierefreiheit, Leichte Sprache, Gebärdensprache, PDF-Prüfung und Audiodeskription über den praktischen Nutzen automatisierter Systeme. Veranstaltet wurde das Treffen vom Kompetenzzentrum für ein barrierefreies Hamburg. Rund 30 Personen nahmen vor Ort teil, etwa 50 weitere online. Im Mittelpunkt stand die Frage, ob künstliche Intelligenz und Automatisierung tatsächlich den Zugang zu Informationen verbessern oder nicht und ob sie vielleicht sogar neue Hürden erzeugen.

Zum Auftakt ging es um sogenannte Overlay-Tools auf Webseiten. Diese Zusatzprogramme versprechen mehr Barrierefreiheit, etwa durch anpassbare Schriftgrößen oder Kontraste. In der Praxis, so die Kritik, verlagern sie Verantwortung auf die Nutzerinnen und Nutzer. Wer auf Unterstützung angewiesen ist, muss sich auf jeder Seite neu orientieren und mit unterschiedlichen Bedienkonzepten zurechtkommen. Gezeigt wurde auch, dass solche Werkzeuge selbst grundlegende Probleme verursachen können, etwa bei der Tastaturbedienung. Die Schlussfolgerung: Accessbility-Overlays sind keine Lösung.

Ein weiterer Schwerpunkt war die Barrierefreiheit von PDF-Dokumenten. Markus Erle von der axes4 GmbH erläuterte die Herausforderungen bei der Erstellunge barrierefreier PDF-Dokumente und welche Rolle Prüftools, wie der PDF Accessibilitx-Checker, der seit der PAC Version 2026 auch eine KI-Funktion bietet, dabei spielen können. Entscheidend ist, so Erle, die technische Struktur im Hintergrund, damit Screenreader Inhalte korrekt erfassen können. Prüfprogramme wie PAC machen diese Strukturen sichtbar und helfen bei der Analyse. KI kann dabei unterstützen, Fehler schneller zu erkennen oder Prüfungen zu ergänzen. Die letzte Bewertung bleibt jedoch eine menschliche Aufgabe, weil semantische Zusammenhänge und tatsächliche Nutzbarkeit automatisiert nur begrenzt erfasst werden.

Tipp: Über die Grenzen und Möglichkeiten des PAC-Test haben wir übrigens kürzlich auch einen Artikel geschrieben.

Im Gespräch über Gebärdensprach-Avatare fiel das Urteil deutlich nüchterner aus als manche Werbeversprechen. Nach Einschätzung der Referentin werden viele Systeme als KI-Lösung vermarktet, obwohl sie nicht autonom übersetzen. Die nötigen Sprachdaten stammen weiterhin von gebärdenden Menschen. Kritisiert wurden vor allem fehlende Mimik, reduzierte Ausdrucksmöglichkeiten und mangelnde Verständlichkeit. Hinzu kommt, dass die Gehörlosen-Community oft kaum in Entwicklung und Bewertung einbezogen wird. Für kurze Standardsituationen, etwa an Bahnhöfen oder Flughäfen, könnten Avatare künftig sinnvoll sein. Für anspruchsvolle Inhalte bleibt qualifizierte menschliche Übersetzung maßgeblich.

Auch beim Thema Leichte Sprache zeigte sich ein ähnliches Bild. KI kann im Arbeitsprozess hilfreich sein, etwa als Unterstützung für ausgebildete Übersetzerinnen und Übersetzer. Problematisch wird es dort, wo Behörden oder Unternehmen vollständig automatisierte Lösungen einsetzen und auf fachliche Prüfung verzichten. Gute Übersetzungen in Leichte Sprache erfordern Analyse des Ausgangstextes, Verständnis für Zielgruppen, klare Strukturierung und sprachliche Entscheidungen. Genau an diesen Punkten zeigen rein maschinell erzeugte Texte häufig Schwächen: Regeln werden ungenau umgesetzt, Inhalte verzerrt oder Zusammenhänge nicht verständlich erklärt.

Beim Thema Audiodeskription wurden Chancen und Grenzen besonders deutlich. KI-gestützte Systeme können blinden Menschen im Alltag bereits heute helfen, etwa durch Bilderkennung, beschreibende Apps oder Assistenzbrillen. Das erleichtert spontane Teilhabe in vielen Situationen. Sobald es jedoch um Kultur, Film oder komplexe Szenen geht, reicht eine automatisch erstellte Audiodeskription oft nicht aus. Gute Audiodeskription braucht sprachliches Gespür, Rhythmus, Auswahl relevanter Details und Verständnis für Atmosphäre. Gerade diese Qualität entsteht durch Erfahrung und durch die Beteiligung blinder Menschen selbst.

Fazit:

KI gestützte Automatisierung ist sinnvoll, wenn die Ergebnisse verlässlich, transparent und überprüfbar sind. KI basierte Lösungen dürfen bestehende Hilfsmittel nicht behindern und müssen sich an den realen Bedürfnissen der Zielgruppen messen lassen. KI kann Arbeit erleichtern und Prozesse unterstützen. Sie ersetzt aber weder Fachwissen noch die Perspektive der Menschen, für die Barrierefreiheit gedacht ist.

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