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Europäische Studie zur Barrierefreiheit

Wie barrierefrei sind Europas Webseiten?

20. April 2012

Eine Studie der Middlesex Universität aus dem Mai 2011 hat untersucht, wie zugänglich europäische Webseiten sind und ob man den Aussagen von Zertifizierungsstellen trauen darf. Dazu wurde eine Stichprobe von 100 europäischen Webseiten aus dem öffentlichen und privatwirtschaftlichen Sektor untersucht. Wie sieht es also mit der Barrierefreiheit in Deutschland im Vergleich zu unseren europäischen Nachbarn aus?

Die Studie mit dem Titel "Declaring conformance on web accessibility" (PDF, 765 kB) stellt Deutschland kein positives Gesamturteil aus. Überprüft wurde, in wie weit die Ergebnisse des BIK-Tests (Liste 90+) mit den Forderungen der WCAG 2.0 übereinstimmen. Dazu wurden sowohl automatisierte Tests als auch manuelle Prüfungen durchgeführt, bei denen die Erfolgskriterien der Konformitätsstufen A und AA herangezogen wurden. Aus deutscher Sicht konnte dabei lediglich die Seite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales (BMAS) überzeugen – allerdings in der Version vor dem Relaunch.

In den meisten Fällen scheiterten die Internetseiten bereits am automatischen Test, der mit der Software SortSite durchgeführt wurde, am Konformitätslevel für Stufe A. Gut 30% der getesteten Webseiten waren nicht valide, obwohl sie entsprechende Angaben zur Validierung nach W3C-Standards auf ihrer Seite trugen. Eine Erfahrung, die wir aus rund 2000 Barriere-Checks ebenfalls teilen: Die meisten geprüften Seiten scheitern bereits an der Einstiegshürde – im wahrsten Sinne des Wortes. Die Ergebnisse sind für alle Prüfinstitutionen nicht besonders schmeichelhaft, da die Abweichung zum Teil durchaus erheblich ist. Deutschland liegt mit 19,8 Punkten Abweichung jedoch weit abgeschlagen von der Spitze des Feldes, die in Spanien mit 13,3 Punkten Abweichungen im Schnitt liegt. Dazwischen liegen Großbritannien (15,4 Punkte), Italien (15,8 Punkte) und Niederlande (17,8 Punkte). Wie gesagt: Getestet wurde im automatischen Bereich nach WCAG 2.0 Konformitätsstufe A. Nur Seiten, die dieses Level bestanden, wurden für den manuellen Test ausgewählt. Aus Deutschland konnte sich dabei nur die BMAS-Seite qualifizieren, aus den Niederlanden immerhin noch drei Seiten.

Was sagt die Studie aus?

Nimmt man die reinen Resultate, stellt die Studie der deutschen Zertifizierungs- und Prüfstelle BIK eine schlechte Note aus. Bei näherem Hinsehen erkennt man jedoch Unzulänglichkeiten bei der Durchführung der Studie. Die Software SortSite prüft zwar automatisch, verlangt jedoch auch bei automatisierten Tests eine manuelle Kontrolle der Ergebnisse. Allzu schnell wird sonst aus einer Mücke ein Elefant und aus einer Warnung ein Fehler. Einen manuellen Test können derartige Werkzeuge nicht ersetzen, das zeigt auch seit vielen Jahren der BIENE-Wettbewerb, bei dem im Grobtest bestimmte Kriterien automatisiert geprüft werden, nicht aber die gesamte Konformitätsstufe A der WCAG 2.0.

Dennoch bleibt ein Geschmäckle, wie es der Schwabe formuliert: Warum schneiden so viele deutsche Seiten so schlecht ab? Interessant wäre hier ein Vergleich zu Österreich und Schweiz. Vor allem letzteres wäre vor dem Hintergrund des Schweizer Zertifikats für barrierefreie Webseiten eine interessante Studie.

Eines sagt die Studie jedenfalls über die Herausgeber der Studie aus: Um Barrierefreiheit hat man sich dort nicht gekümmert. Anders ist es nicht zu erklären, dass die Studie als nicht getaggtes und damit nicht barrierefreies PDF veröffentlicht wurde.

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