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Epileptische Anfälle - unterschätztes Phänomen

13. Februar 2008

In ihrem Rückblick des Sport-Jahres 2007 kürte die Zeitung "Die Welt" das bereits im Sommer 2007 präsentierte Olympia-Logo für "London 2012" zum Logo des Jahres. Grund für diese "Auszeichnung" waren Berichte, dass das neue Olympia-Logo als Animation auf der aktuellen Olympia-Website epileptische Anfälle auslösen sollte (Details der Animation hatten 18 epileptische Anfälle ausgelöst).

Das aufgrund seiner ungewohnten grafischen Formgebung ohnehin sehr umstrittene Logo für die Olympischen Sommerspiele in London − der Bürgermeister Ken Livingstone verglich das Emblem sogar mit einem Hakenkreuz − musste die Grafik nach den schweren Epilepsievorwürfen von der offiziellen Homepage entfernt werden.

Seit der Vorstellung des Logos hatten tausende Personen eine Petition unterzeichnet (die Zahlen reichen von 38.000 bis 45.000), das Logo zu ersetzen. Wir nehmen die Beschwerden sehr ernst und prüfen sie schnellstmöglich. So eine Sprecherin des Organisationskomitees für "London 2012".

Dass zu schnelle Animationen und Bildwechsel, beziehungsweise flackernde Grafiken durchaus epileptischen Anfälle verursachen können ist bekannt. Ab wann dieses Phänomen allerdings zu erwarten ist, dürfte für die zumeist verantwortlichen Webdesigner kaum realistisch einzuschätzen sein. Laut Wikipedia gehören

zu den auslösenden Reizen überwiegend Flickerlicht und andere visuelle Reize. Bildschirme können durch Hell-Dunkel-Wechsel, durch wechselnde Farbkombinationen und durch Muster bei empfänglichen Menschen epileptische Anfälle provozieren. Durch sehr schnelle Farb- und Hell-Dunkel-Wechsel löste 1997 in Japan die Kindersendung Pocket Monsters bei über 600 Zuschauern ohne epileptische Vorgeschichte, zumeist Kindern, epileptische Reaktionen aus, so dass 200 von ihnen im Krankenhaus übernachten mussten. Ähnliche Wirkungen sind bei Computerspielen möglich. In vielen Handbüchern zu Computerspielen findet sich daher an prominenter Stelle eine Epilepsiewarnung. 

Für die Verantwortlichen des Olympia-Logos kommen diese Informationen zu spät. Besonders ärgerlich ist die Geschichte vor allem, weil das besagte Logo auf der offiziellen Internetseite sowohl für die Olympischen, als auch die Paralympischen Spiele 2012 steht und das Organisationskomitee auf der selben Seite eigentlich einen hohen Anspruch an Zugänglichkeit vermitteln möchte.

The London 2012 Olympic and Paralympic Games are for everyone, everywhere, regardless of ability, age, language or background.

Insofern ist auch die Wut vom Bürgermeister Ken Livingstone verständlich. Dieser forderte, den verantwortlichen Designern kein Honorar für ihre Arbeit zu überweisen: "Ich würde keinen Penny für solch einen katastrophalen Fehler zahlen!". Es kann also durchaus Sinn machen, sich mit dem Thema Barrierefreiheit ernsthaft auseinander zu setzen und gesetzliche Vorgaben sowie die Vielschichtigkeit der Problematik nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.

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