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Die Eifel wird barrierefrei

30. Dezember 2004

Kennen Sie die Eifel? Und hiermit meinen wir nicht den Eiffel-Turm in Paris, der nach seinem Auftraggeber, Gustave Eiffel, benannt wurde. Wir meinen den Landstrich südwestlich von Köln, an der Grenze zu Luxemburg, Belgien und den Niederlanden. Jene Landschaft, die Deutschlands meist gelesener Krimi-Autor, Jacques Berndorf, immer wieder in seinen Eifel-Krimis beschreibt. Eben jene Eifel soll jetzt zugänglicher werden und damit ist nicht der von vielen lang ersehnte Ausbau der Autobahn A1 gemeint.

Naturpark Eifel

Der Kölner Stadtanzeiger, über den wir die Nachricht von der barrierefreien Eifel zuerst erfahren haben, zeigt auf, in welchem Rahmen sich die Entwicklung eines barrierefreien Angebotes im Deutsch-Belgischen Naturpark abspielt:

Fast jeder dritte Mensch in Deutschland ist in irgendeiner Form in seiner Mobilität behindert. Rund 30 Prozent aller potenziellen Besucher [...] können Natur und Landschaft nur eingeschränkt erleben. Viele dieser möglichen Gäste, die als Touristen in die Region kommen könnten, sind bisher weitgehend ausgeschlossen.

Erst mit Hilfe des Umweltministeriums und einer kräftigen finanziellen Unterstützung konnte das Thema "barrierefreies Angebot" in diesem Jahr angegangen werden. Dabei geht es nicht darum, jeden Stein aus dem Weg zu räumen. In der Eifel wäre dies auch ein erheblicher Eingriff in das Landschaftsbild, wenn man das Wortspiel auf die Spitze treibt. Vielmehr geht es bei dem Projekt um das Aufzeigen von Angeboten, die bereits heute für Menschen mit Behinderungen geeignet sind. Hierzu wurde zum einen eine Broschüre "Eifel barrierefrei - Natur erleben für Menschen mit Behinderung" und zum anderen ein Internetauftritt geschaffen, der als maßgebliche Informationsquelle dienen soll.

Im Test: online in die Eifel

Wir haben uns mit der Internetseite zur Aktion "barrierefreie Eifel" intensiver auseinandergesetzt. Und wir haben gute Nachrichten im Gepäck: die Internetseite zeigt mehr als nur gute Ansätze. Valider XHTML-Code, valides CSS und keine Layout-Tabellen - die Grundlagen für Barrierefreiheit sind erfüllt. Kümmern wir uns also um die Details.

Positiv ist uns aufgefallen, dass Barrierefreiheit in diesem speziellen Fall keine Begleiterscheinung ist, die man irgendwie integrieren muss, sondern vielmehr die treibende Kraft hinter allem. Entsprechend skalierbar präsentiert sich das Layout, wenngleich man bei der Vergrößerbarkeit der Schrift nicht immer auf relative Größen gesetzt hat. In der praktischen Anwendung konnten wir aber keinen Fall entdecken, bei dem dieser Umstand negativ bemerkbar wird.

Erfreut hat uns auch die Verwendung verschiedener Darstellungs-Optionen mitsamt einer druckfähigen Version zum Offline-Lesen. Etwas nervig hingegen die Schriftvergrößerung mit JavaScript, die in den Layout-Varianten der Website nicht praxistauglich ist, da Inhalte zum Teil verdeckt werden und unleserlich werden. In der Layout befreiten Version, die fälschlich mit "Nur-Text" bezeichnet wird, ist dieses Manko nicht vorzufinden, so dass Menschen, die auf starke Vergrößerung der Texte angewiesen sind, mit dieser Variante gut auskommen sollten.

Spitzfindigkeiten

Ein dickes Minus gibt es für die Alternativtexte der Bilder, Grafiken und Fotos. Die Abbildung des Naturparks auf einer der Unterseiten, die nach einer ausführlichen Beschreibung schreit, wird mit dem Alternativtext "Der Naturpark" abgehandelt. Die enthaltenen Informationen sind für blinde Menschen unwiederbringlich verloren. Sie werden ausgeschlossen - genau das, was man eigentlich nicht wollte.

Verbesserungswürdig ist auch die Handhabung externer Links. Hier sollte man mit geeigneten Mitteln darauf hinweisen, dass ein neues Fenster geöffnet wird. Insgesamt sollte das title-Attribut nach Möglichkeit zur Verbesserung der Orientierung verwendet werden. A propos Orientierung: eine Sprungmarke am Anfang des Dokuments erlaubt das gezielte Anspringen der Navigation. Der Inhalt erschließt sich auch dank der sprechenden Seitentitel von selbst. Die verwendete Sprache bei den Texten ist angemessen.

Die Kontraste sind auf der einen Seite zuweilen etwas schlapp geraten, auf der anderen Seite teilweise zu stark. Hier kann eine Blendwirkung nicht ausgeschlossen werden. Das gewählte Farbschema und die unterschiedliche Kennzeichnung von Links machen es dem Benutzer nicht immer leicht, die richtige Aktion auszuführen. Gleiches gilt für das etwas lieblose Kontaktformular, das leider bei abgeschaltetem JavaScript nicht mehr funktioniert und unserer Ansicht nach schnellstens verbessert werden sollte. Die Fehler-Handhabung könnte auch besser sein, aber all das ist schon im Bereich der Feinprüfung angesiedelt. Angesichts der geringen Textmenge wäre die Auszeichnung von Sprachwechseln, Abkürzungen und Akronymen innerhalb des Textes durchaus machbar. Übrigens: die Sprache des Gesamtdokumentes sollte ebenfalls definiert werden, auch wenn man nicht über die Auszeichnung von Sprachwechseln nachdenkt.

Benutzbarkeit

Der eigentliche Inhalt der Seite, nämlich die Auffindbarkeit zugänglicher Angebote im Naturpark Eifel, ist zwar barrierefrei, leider aber schlecht zu benutzen. Zwar wurde in die Umsetzung der Suche viel Liebe zum Detail investiert, jedoch ist die Benutzerführung von der Ergebnis-Übersicht bis hin zur Detailseite und wieder zurück nicht durchgängig gelöst. Man verliert sich leicht, da es keinen Anhaltspunkt gibt, wo sich der Besucher gerade innerhalb der Seite befindet.

Fazit

Der Ansatz ist richtig. Die Richtung stimmt. Verbesserungswürdig sind vor allem die Details, hier allen voran das Kontaktformular und die Benutzbarkeit der Website. Gegenwärtig sind die Inhalte vor allem auf Rollis ausgerichtet, trotzdem werden auch sehbehinderte und blinde Menschen deutlich verbesserte Bedingungen auf der neugestalteten Internetpräsenz vorfinden. Gehörlose oder hörbehinderte Menschen profitieren gegenwärtig wohl am wenigsten von der neuen Website. Hier kann man nur hoffen, dass das Umweltministerium für das kommende Jahr noch Gelder für Gebärden-Videos zur Verfügung stellt, damit wenigstens die Grundfunktionen der Seite erklärt werden können. Bleibt zu hoffen, dass die Macher hinter der Seite ihre Marschrichtung beibehalten und die Eifel Stück für Stück lebenswerter für alle machen. Ein Vorhaben, das wir als Agentur bereits vor einigen Jahren mit der barrierefreien Umsetzung von Eifel-Ballooning unterstützt haben und weiter unterstützen werden.

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