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Best Practice Barrierefreiheit: Windstärke 8

23. August 2005

Wind kann unterschiedlich stark wehen und auch aus verschiedenen Richtungen kommen. Ab einer Geschwindigkeit von 34 Knoten, das entspricht etwa 64 km/h, spricht man von Windstärke 8, gerne auch als stürmischer Wind bezeichnet. Eine Fernsehserie, die im Frühjahr im Ersten lief, trägt ebenfalls diesen Titel. Und bringt Rückenwind für die Accessibility-Szene mit, denn die Website ist nicht nur schick, sondern auch zugänglich.

Auf den ersten Blick

Der erste Eindruck, den die Startseite vermittelt, ist durchweg positiv. Doch nicht nur der Gesamteindruck ist stimmungsvoll und überraschend, sondern auch die Liebe zum Detail, mit der hier gearbeitet wurde. Man bekommt förmlich Lust darauf, auf einem historischen Großsegler hinaus auf die Weltmeere zu fahren und das Abenteuer zu suchen. Kurz gesagt: Diese Website riecht nach Meer!

Eine leichte Flash-Animation in der Kopfzeile, unterlegt mit typischen Geräuschen, sorgt in jeder Rubrik für ein zusätzliches Erlebnis. Aber was ist, wenn Flash nicht installiert ist oder Sound bzw. Animation nicht wahrgenommen werden können? Immerhin geht es beim Barrierekompass vor allem um Barrierefreiheit. Gut aussehen ist dabei natürlich ein wichtiger Aspekt, aber am Ende muss die Website zugänglich sein. Schauen wir also genau hin.

Flash & Skalierbarkeit

Die Flash-Animation integriert sich optisch hervorragend in das Layout. Die sanfte Animation und die dezenten Geräusche mischen sich mit dem Gesamteindruck der Website. Das Wechseln von Blau- und Grautönen vor dem blau-schwarzen Verlauf der Hintergrundgrafik wirkt lebendig und die schemenhaft erkennbare Schaumkrone läßt das Design weniger kantig erscheinen. Technisch ist die Flash-Animation ebenfalls perfekt in der Website verankert und sofern kein Flash installiert ist, werden alle Inhalte durch entsprechende Grafiken ersetzt, auch wenn die Alternativ-Texte durchaus verbesserungsfähig sind.

Eines der größten Probleme mit Flash ist die Skalierbarkeit. Doch auch diese Problematik hat man bei der Website von Windstärke 8 in den Griff bekommen und noch eine Schaufel draufgelegt: Das Layout ist elastisch und behält bei Vergrößerung seine Proportionen - der Gesamteindruck bleibt erhalten. Vergrößert man den Schriftgrad der Website, um den Inhalt besser lesen zu können, wächst das Layout mitsamt allen Texten, Bildern und Flash-Animationen proportional mit. Das sieht nicht nur gut aus, es funktioniert auch hervorragend - sogar plattformübergreifend und in älteren Browsern.

Die Tatsache, dass Windgeräusche und Animation nicht explizit in den Alternativtexten des Flash-Fallbacks beschrieben werden, ist sicherlich ein kleines Manko an dieser Stelle. Allerdings entschädigen die hochwertigen Inhalte der Website dafür und sorgen ihrerseits für die nötige Stimmung beim Windstärke 8 Internetauftritt.

Navigation & Orientierung

Was man nicht sehen kann sind lokale Sprungmarken, die sich überall in der Seite verbergen. Das schnelle und gezielte Anspringen von bestimmten Bereichen innerhalb einer Seite ist damit stets gewährleistet. Mit einem Ariadne-Pfad, der gut sichtbar im zentralen Blickfeld des Betrachters liegt, kann man sich jederzeit gut orientieren. Leider verfügt die Website über kein Inhaltsverzeichnis, so dass man auf einen Blick nicht sehen kann, welche Inhalte sich wo befinden und wo man selbst gerade innerhalb der Gesamtstruktur ist.

Gut gelöst hingegen sind sowohl Haupt- als auch Unternavigaton in Form von Listen. Zudem befindet sich auf jeder Seite eine Auswahl-Box, mit der man die einzelnen Sendetermine (die leider in der Vergangenheit liegen) auswählen kann. Auf der Startseite findet man die gleiche Form der Navigation auch im Flash-Film, doch dank der Auswahl-Box ist diese Funktion als Fallback vorhanden.

Schönheitsfehler

Ein paar Schönheitsfehler hat die grafisch hochwertige Website aber dennoch, vielleicht auch gerade wegen der umwerfenden Gestaltung, denn bei der Realisierung ist man bewusst zahlreiche Kompromisse eingegangen, hat das Ziel der barrierefreien Umsetzung aber nie aus den Augen verloren. Details, wie beispielsweise die Hintergrundgrafik mit ihrem vertikalen blau-schwarzen Verlauf, der die Tiefe des Meeres und die dort vorherrschenden Lichtverhältnisse hervorragend widerspiegelt, oder auch die vielen auf antik getrimmten Illustrationen und Icons zeigen, wie moderne barrierefreie Websites aussehen können.

Dazu muss man jedoch bereit sein, Kompromisse einzugehen, wenn man es kann. Für eine Fernsehserie gelten andere Voraussetzungen als für eine Website des Bundes, denn Barrierefreiheit ist hier kein Muss, sondern freiwillige Selbstverpflichtung. Deshalb kann man über die Navigation mit Serifen-Schrift ebenso hinwegsehen, wie über die grafischen Elemente, die nicht als semantische Trenner, sondern lediglich als Bilder realisiert wurden.

Manchmal hat man den Eindruck, dass bestimmte Dinge noch schnell in die Website mit integriert werden mussten. Das nicht barrierefreie und mit falscher Codierung integrierte Forum ist hier sicherlich das hervorstechendste Beispiel. Und auch die eher schlecht formulierten Alternativtexte für Bilder hinterlassen einen allzu flüchtigen Eindruck. Zwar gibt es eine Druckversion, allerdings fragen wir uns, warum diese nicht mit CSS realisiert wurde und statt dessen ein eigenes Template bemüht wird.

Sprachauszeichnungen und erklärte Abkürzungen und Akronyme haben wir leider nicht finden können, dafür aber einige Tastaturkürzel und Alternativen, wenn JavaScript nicht aktiviert ist.

Fazit

Valides HTML, valides CSS und höchste Skalierbarkeit. Diese drei Säulen bilden das technische Fundament einer beeindruckenden Website. Beeindruckend vor allem deshalb, weil Windstärke 8 zeigt, was mit modernster Technologie und weitreichender Barrierefreiheit möglich ist. Der Fernsehsender 'Das Erste' verspricht eine zweite Staffel der Serie und wir hoffen, dass die Segel in Richtung Qualitätsverbessung gesetzt werden, was die barrierefreie Umsetzung betrifft.

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