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Behinderung hin oder her - Leistung ist die Messlatte

22. September 2011

Inklusions-Kampagnen, Behindertenvereine, Gleichstellungsgesetze Menschen mit Behinderungen werden inzwischen immer besser in die Gesellschaft integriert. Ihre Teilhabe ist erwünscht und auch wichtig, denn laut Statistischem Bundesamt leben allein in Deutschland rund 8,6 Millionen Menschen mit einer amtlich anerkannten Behinderung.

Doch Behinderung ist nicht gleich Behinderung mal ist es eine Sehschwäche, mal der Mangel an kognitiven Fähigkeiten, um nur zwei Beispiele zu nennen. Und wenn man noch tiefer gräbt, stößt man auf die Diskussionsfrage schlechthin: werden Menschen mit Behinderungen in Deutschland eigentlich als gesund oder krank wahrgenommen? Wie hitzig die Debatte geführt wird, musste auch der TV-Moderator Tom Buhrow erfahren. In einem Beitrag über Oscar Pistorius, den inzwischen weltweit bekannten Sprinter auf Prothesen, rutschte ihm das zwiespältige Wort unversehrt heraus, mit dem er die Konkurrenz des Athleten bezeichnete. Er entfachte dadurch eine Diskussion, die wir hier gerne aufgreifen.

Was heißt eigentlich (un)versehrt?

Früher nannte man verletzte Kriegsopfer versehrt. Der Duden sagt dazu: Versehrt ist jemand, der sich eine Verletzung zugezogen hatte, der verwundet oder verletzt ist. Der Begriff wird aber offensichtlich immer wieder in Zusammenhang mit behinderten Menschen gebracht, wobei Behinderung in keinem Fall als Versehrtheit definiert wird. Vielmehr spricht man von einer Beeinträchtigung der gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Teilhabe oder von einer Beeinträchtigung des Verhaltens, das zur Bewältigung des Alltags notwendig ist. Demnach sind Menschen mit Behinderungen nicht automatisch krank bzw. versehrt, so wie Menschen ohne Behinderungen nicht immer gesund sind. Eine Behinderung ist unter anderem ein medizinisches Problem, doch der gesellschaftliche Aspekt ist viel größer behinderte Menschen werden sowohl beruflich als auch sozial immer noch benachteiligt, ungeachtet ihrer Leistungsfähigkeit.

Oscar Pistorius ist kerngesund und stark genug, um sich für die Leichtathletik-Weltmeisterschaft zu qualifizieren und damit seinen Traum zu erfüllen. Doch er stößt wegen seiner Prothesen auf Kritik: Laut Gutachten des Weltleichtathletikverbandes IAAF haben seine Prothesen einen Vorteil gegenüber normalem Beinmuskelgewebe. Einige wichtige Faktoren wurden bei dem Gutachten jedoch nicht berücksichtigt, und so erhielt der Sprinter nach einer erneuten Prüfung seitens des Internationalen Sportgerichtshofs GAS das Recht, sich mit nicht-behinderten Menschen läuferisch zu messen. Er durfte teilhaben, musste aber für seinen Traum kämpfen. Ein passendes Beispiel für eine Integration mit Barrieren, unflexibel und voller Bedingungen. Inklusion bedeutet nicht nur Behindertenschulen zu eröffnen und Lifte zu bauen behinderte Menschen, die ihr Leben eigenständig von Barrieren befreien, brauchen ebenso jede Unterstützung.

Eins steht jedenfalls fest: Der Mann ohne Beine, wie Oscar sich selbst bezeichnet, inspiriert Menschen mit und ohne Behinderung. Nicht zuletzt, weil er die Diskussion um seine WM-Teilnahme unfreiwillig ins Leben rief und sein Selbstbewusstsein trotz Kritik behielt.

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