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Barrierefreiheit bei unseren nierderländischen Nachbarn

18. Februar 2004

Initiativen für Barrierefreies Internet gibt es nicht nur in Deutschland. Auch unsere Nachbarn, wie die Schweiz, Österreich, oder eben die Niederlande befassen sich schon seit längerem mit der Thematik. In Holland nennt sich die Initiative für mehr Barrierefreiheit im Internet 'Drempels Weg', was übersetzt soviel bedeutet, wie 'Barrieren weg'.

'Drempels Weg' ist eine im März 2001 gestartete Initiative, die Barrieren für Menschen, die in der Nutzung des Internets durch körperliche Behinderungen eingeschränkt sind, einreißen will. Dadurch soll das Internet zugänglicher und für jeden nutzbar werden. Das Projekt 'Drempels Weg' ist eine Landes-Initiative des niederländischen Ministeriums für Volksgesundheit, Wohlsein und Sport und ist sowohl landesweit, als auch regional aktiv.

95 Prozent der Regierungsseiten nicht barrierefrei

Am 11.02.2004 veröffentlichte die Initiative 'Drempels Weg' einen Zustandsbericht über die Barrierefreiheit öffentlicher Seiten der niederländischen Regierung. Mit niederschmetterndem Ergebnis: demnach sind 95 Prozent der Internetseiten der niederländischen Regierung unzugänglich. Dieses Ergebnis wurde auf einem Treffen mit dem Namen 'Das Anwenden und Testen von Zugänglichkeit auf Websites' mitgeteilt. An dem Treffen, das am 10. Februar durch 'Drempels Weg' organisiert wurde, nahmen mehr als 80 Menschen teil - in erster Linie Webgestalter. Die Besucher bekamen ein abwechslungsreiches und interessantes Programm geboten, in dem auch die Ergebnisse mehrerer Tests von hunderten Regierungs-Seiten präsentiert wurden.

Das Treffen begann zunächst mit einer Präsentation von Michael Cooper, dem Macher von Bobby Watchfire, das pro Tag ungefähr 45 Tausend Mal genutzt wird, um Internetseiten auf Zugänglichkeit zu testen. Die Präsentation von Michael Cooper enthielt eine wichtige Botschaft: Das Benutzen von automatisierten Testwerkzeugen, wie Bobby, reicht alleine nicht aus. Einige Richtlinien für Barrierefreies Internet seien interpretierbar und dadurch gar nicht automatisch zu testen. Zum Beispiel die Aussage: Verwenden Sie die deutlichste und einfachste Sprache, die sich für den Inhalt einer Internetseite anbietet. Obwohl Testen per Hand also notwendig bleibt, bietet das Programm Bobby laut Cooper doch Vorteile. Problemzonen großer Websites könnten mit relativ geringem Aufwand und Kosten einfach und schnell aufgespürt werden. Cooper erwartet, dass Testprogramme, wie Bobby, in Zukunft noch mehr eingesetzt werden um Zugänglichkeits-Probleme aufzuspüren. (Lesen Sie dazu auch unseren Artikel über Bobby. Anmerkung der Barrierekompass-Redaktion)

Danach meldete sich Gertjan Leijdekkers von Watchfire Benelux zu Wort. Watchfire testete hundert Regierungsseiten mit Bobby auf 35 Prozent der Richtlinien der Priorität 1 und 2. Das Ergebnis der Tests ergab, dass 80 Prozent der Seiten unzugänglich sind. Ein enttäuschendes Resultat. Vor allem, weil lediglich 20 Prozent der gesamten Richtlinien getestet wurden. Eine ähnliche Untersuchung wurde durch die Stiftung Accessibility gemacht, allerdings manuell und nach den 16 Richtlinien der Priorität 1. Die Resultate, die Iaco Riezebosch präsentierte, waren schockierend. Auf nur fünf Websites wurden praktisch keine Fehler gefunden. Drei dieser Internetpräsenzen verfügten schon über das 'Drempels Weg' Siegel. Unter den fünf 'fehlerfreien' Seiten befand sich auch die Seite des oben genannten Ministeriums für Volksgesundheit, Wohlsein und Sport. Zusammenfassend musste auch nach dieser manuellen Untersuchung festgestellt werden, dass 95 Prozent der getesteten Sites unzugänglich sind.

Vorteile nicht nur für den Benutzer

Der Projektleiter Digitale Medien des Ministeriums, Herr Berkouwer, erklärte, wie die Seite des Ministeriums für Volksgesundheit, Wohlsein und Sport auf Barrierefreiheit umgestellt wurde. Das Frontend der Seite ist unverändert, aber die dahinter liegende Technik ist barrierefrei. Inhalt und Design sind vollkommen voneinander getrennt. Das bietet nicht nur Vorteile für die Besucher, sondern hat auch Vorteile in Bezug auf Schnelligkeit, Plattformunabhängikeit und Flexibilität.

Letzte Sprecherin des Treffens war Frau Schiozzi der Gemeinde Dordrecht. Sie erläuterte, wie die Internetseite der Gemeinde Dordrecht barrierefrei gemacht wurde, und welche Klippen es dabei zu umschiffen galt. In ihrem Vortrag sendete Sie ein wichtiges Signal an Anbieter von Content Management Systemen: "Sorgen Sie dafür, dass der Alt-Text ein Pflicht-Eingabefeld wird," so ihre Botschaft. Denn derartige Funktionen werden in Zukunft eine wichtige Unterstützung bei der Pflege einer barrierefreien Website sein.

Original-Quelle: Drempels Weg

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