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Barrierefreies Web-Design

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Nunja, um über Barrierefreiheit berichten zu können, muss man es nicht zwangsläufig selbst leben - auch wenn das sicherlich konsequent wäre. Vielleicht auch das ein Grund, warum die neue Ausgabe der c't (18/2004) das Thema Barrierefreies Web-Design von einer externen Redakteurin abhandeln läßt.

Durch den Anleser in der letzten c't neugierig geworden, haben wir den Artikel sofort nach Erscheinen aufgesogen und dabei registriert, dass es sogar noch einen zweiten Teil in der nächsten Ausgabe in 14 Tagen geben wird. Doch widmen wir uns hier erst einmal dem gerade erschienenen Teil, den man ab Seite 184 der aktuellen Ausgabe lesen kann.

Schön ist es allemal, dass eine der führenden deutschen Zeitschriften das Thema Barrierefreies Web-Design aufgreift und ihm sogar einen zweiteiligen Artikel über mehrere Seiten spendiert. Das ist sicherlich immer noch außergewöhnlich. Noch außerordentlicher ist aber wohl die Tatsache, dass der Artikel von keinem bekannten Mitglied der Accessibility-Bewegung verfaßt wurde. Und die Liste der möglichen Autoren ist lang, wie die Autoren-Übersicht des neuen Buches von Jan Eric Hellbusch zum Thema Barrierefreies Web-Design zeigt. Wir möchten keinen falschen Eindruck erwecken: der Artikel ist nicht falsch und er vermittelt streckenweise auch viel Wissenswertes. Leider ist er jedoch unserer Ansicht nach nicht durchgängig geschrieben und betet den gleichen Salmon herunter, wie schon viele Artikel zuvor. Dabei beginnt alles so hoffnungsvoll und abseits der "das Gesetz schreibt Barrierefreiheit vor, deshalb müsst ihr das jetzt machen" Linie. Doch schon bald kommt die dicke Gesetzes-Keule und fortan geht es nur noch um sehbehinderte und blinde Internetnutzer, die zwar wichtig sind, aber keinesfalls die einzig ausschlaggebende Zielgruppe.

Barrierefreies Web-Design hat aber viele zusätzliche Zielgruppen und wendet sich nicht nur an behinderte Nutzer, denn es geht um verbesserte Zugänglichkeit für alle. Internet für alle. Einfach für alle. Vielleicht bleiben wir besser bei dem angelsächsischen Begriff der Accessibility und Usability, wie es schon der ein oder andere Experte für Barrierefreies Web-Design vorgeschlagen hat, damit Missverständnissen vorgebeugt wird.

Zurück zum Artikel: lobend muss man in jedem Fall die auf fünf Seiten abgedeckte Bandbreite erwähnen, denn einfach ist das Thema sicherlich nicht. Allerdings geht das auch auf Kosten der Qualität, denn vor allem die Code-Beispiele enthalten Mißverständlichkeiten, die bei ungeübten Nutzern schnell zu Fehlern führen. Ein Beispiel sind die stets verwendeten Inline-Styles, die man im Sinne einer Trennung von Inhalt und Design nicht nutzen sollte, sondern - wie die Autorin in einer Randnotiz richtig bemerkt - lieber in externen Dateien auslagern sollte, die zudem vom Browser gecached werden. Dass das Wort "Überschrift" in einer Codezeile, wie "Überberschrift" nicht als HTML-Entity codiert wird, ist zwar nur ein optischer Makel, aber leider allzuoft traurige Realität in Internetseiten, was sich in mangelnder Validität bei der Überprüfung von Internetseiten niederschlägt. Vorausgesetzt, man nutzt den richtigen Validator. Der Aussage, dass HTML  "passée ist und fortan XHTML regieren wird, möchten wir uns nicht ganz anschließen, denn angesichts der Tatsache, dass CSS nahezu 10 Jahre brauchte, um Anerkennung in der Praxis zu finden, wird es wohl nochmals etliche Jahre dauern, bis ein etablierter Standard, wie es HTML 4.x ist, durch zukunftsgewandtere Strukturen abgelöst wird.

Fazit 

Als kompakter Einleser in Barrierefreies Web-Design ist der Artikel sicherlich geeignet, sofern man als Leser über entsprechendes Vorwissen in Punkto HTML verfügt und sich mit Accessibility bereits im Groben beschäftigt hat. Dann könnte man allerdings auch direkt einen Schritt weiter gehen, wie es die W4D-Truppe im Falle des Leitfadens für Barrierefreies Internet getan hat.

Übrigens, auf eine Zwischenüberschrift, wie "Seiten entbeinen" sollte die Autorin im Zusammenhang mit behindertengerechtem Web-Design in Zukunft lieber verzichten.

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