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Barrierefreies Internet im DMMV

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Wenn der Begriff "Barrierefreiheit im Internet" fällt, reagieren Entscheider und Dienstleister in Deutschland zum großen Teil noch mit Verunsicherung. Für viele - auch Professionelle - ist Barrierefreiheit im Internet immer noch nicht viel mehr als ein Schlagwort. Die Meinungen und Interpretationen gehen trotz zunehmender Aufklärungsarbeit, gesetzlicher Definitionen und Richtlinien, trotz Veröffentlichungen und Wettbewerben zum Beispiel von "Aktion Mensch" und zahlreichen Behindertenverbänden immer noch weit auseinander.

Deshalb hat sich beim DMMV jetzt ein Arbeitskreis zum Thema Barrierefreies Internet formiert, mit dem Ziel, über die Möglichkeiten und (auch kommerziellen) Vorteile barrierefreien Webdesigns aufzuklären. Darüber hinaus will der DMMV die aktive Mitwirkung an der Verwirklichung eines "Internet für alle" auf allen Ebenen - gesellschaftlich, politisch, ökonomisch - erreichen. Angesprochen sind leider, aber das kennt man ja vom DMMV, wieder mal nur Mitglieder des DMMV. Der Jahresmitgliedsbeitrag für Unternehmensmitglieder und Fördermitglieder beträgt mindestens 250 Euro und höchstens 30.000 Euro. Trotzdem sind wir sehr auf die Entwicklung der barrierefreien Informationstechnologie beim Deutschen Multimediaverband gespannt. Das selbst formulierte Ziel, "die aktive Mitwirkung an der Verwirklichung eines "Internet für alle" auf allen Ebenen - gesellschaftlich, politisch, ökonomisch - zu erreichen" dürfte bei vielen Mitgliedern des DMMV für Verwirrung sorgen.

Dazu ein Kommentar, der uns kürzlich in die Hände gefallen ist. David EmbertonWebentwickler, Autor von Flash 4 Magic und Flash 5 Magic ist zwar nicht Mitglied des DMMV, schrieb sich aber kürzlich den Frust über Web-Standards von seiner Designer-Seele und spiegelt wahrscheinlich die Meinung vieler Mitglieder des DMMV wider.

Web-Standards sind gewaltig, dämlich und funktionieren einfach nicht. Trotzdem bestehen sie. Wieso eigentlich?

Radikale Kommunisten versuchten im zwanzigsten Jahrhundert wirklich alles, um die Welt einer Gehirnwäsche zu unterziehen. Sie hielten sich für effizienter und menschlicher. Sie dachten einfach, dass auf ihre Weise die Dinge besser liefen.

Heutzutage verkündet die nachrückende, rebellische Jugend weniger Marx, als Tutorials, wie man XHTML Strict verwendet. Sie kämpfen eine heroische Schlacht gegen JavaScript Menüs und Layout-Tabellen, predigen "bitte denkt auch an die Kinder" und gestaltet Seiten so, dass sie auch kompatibel mit den Handhelds des nächsten Jahrhunderts sind. Die gleiche konformistische Denkhaltung, das gleiche lausige Ergebnis.

Wenn es nach dem Web Standards Project geht, braucht die Welt dieses Zeug, weil es einfacher, erschwinglicher und zugänglicher für alle ist. Oh wirklich? Könnte es sein, dass das einfach nur die aufgekochten Ideen einiger überbezahlter Intelektueller sind? Was ist eigentlich mit freier Marktwirtschaft, oder Angebot und Nachfrage? Schmerzliche Fragen, vielleicht, aber lassen Sie uns ihnen ins Gesicht schauen - wenn Innovation sich bis zu dem Punkt verlangsamt, dass "tabbed browsing" eine Schlagzeile wert ist, ist es an der Zeit, sich dieser Schlinge zu entledigen.

Cascading Style Sheets (CSS) sind ein klassisches Beispiel von Dummheit. Aufgewachsen in irgendeiner Zelle, sind sie der Gipfel der Dokumentengestaltung. CSS ist frei verfügbar, kostenlos und zukunftssicher. Klingt hervorragend, bis man realisiert, dass:

  1. man einen Hochschulabschluss braucht, um es zu verstehen.

  2. Microsoft sich nicht darum schert und

  3. CSS einfach nervt.

Darüber hinaus ist CSS seit Mitte der neunziger Jahre als "die Zukunft" verkauft worden, und das Einzige, das CSS am Leben erhält, ist ein permanentes Schuldgefühl und vereinzelte Movable Type Installationen.

Während XHTML und CSS immerhin noch einigermaßen erfolgreich sind, haben viele W3C-Forderungen die Bodenhaftung verloren. Es sind kleinere Entwicklungen, wie SMIL, MathML und SVG, die schlussendlich zeigen, wo die Denkfehler im kollektiven Denkprozess liegen. Von den anderen zwanzig Projekten mal abgesehen, die überhaupt nicht diskutiert werden.

Wie auch immer, das alles scheint die Advokaten nicht zu entmutigen. Das Problem, die Welt vor einem Browser-Krieg zu bewahren, exisierte praktisch nicht mehr, aber egal. Standard-Verfechter haben nun die Behinderten für sich entdeckt - die leidenden Kinder Afrikas der Hochleistungs-Technologie - und nutzen sie als Hebel. Nehmen Sie sich die Zeit und lesen Sie A List Apart, und Sie werden bald den Eindruck haben, dass Barrierefreiheit wichtiger ist als Krebs und wir bald alle blind sein werden und sämtliche Glieder verlieren, die zum Halten einer Maus notwendig sind. Die Lösung. Web-Standards!

Ich war auch einmal fasziniert vom Traum der XML-Utopie, inklusive sehbehinderter Menschen, die auf Wiesen herumtollen. Ich habe auch Nächte damit verbracht das "box model" zu entziffern und meinen Tim Berners-Lee-Schrein zu polieren.

Aber jetzt bin ich damit fertig. Ich möchte den Browser-Krieg zurück. Ich möchte Flash und PDF verwenden (Sie wissen schon, Techniken, die auch funktionieren) ohne bourgeoises Elite-Gehabe vorgeworfen zu bekommen. Ist es wirklich so wichtig Ihre Website Handy kompatibel zu machen? PDA kompatibel? Sicher für Plattfüße? Nein. Alles was zählt ist der Wunsch zu kommunizieren und die Fähigkeit, jede gute Erfindung zu stehlen. Wie die Sputnik.

Anmerkung der Redaktion

Für alle, die es nicht verstanden haben, dies ist nicht die Meinung des Barrierekompass, aber vielleicht hat sich ja das eine oder andere Mitglied des DMMV in David Emberton wiederentdeckt. Beim DMMV das Thema Barrierefreiheit anzugehen ist eine gute Entscheidung. Und wie die Resonanz des ersten Treffens in Köln zeigte, gibt es auch eine sich formierende Allianz von kompetenten Unterstützern. Aber das selbst formulierte Ziel, "die aktive Mitwirkung an der Verwirklichung eines "Internet für alle" auf allen Ebenen - gesellschaftlich, politisch, ökonomisch - zu erreichen" scheint im Hinblick auf die Mitgliederstruktur des DMMV etwas naiv.

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