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Assistive Technologie. Diktiersoftware

23. Januar 2006

Seit über zweieinhalb Jahren befassen wir uns nun schon mit dem Thema Barrierefreie Informationstechnik und ungezählte Male haben wir jedem, der es hören wollte oder auch nicht hören wollte, die wahnsinnigen Vorteilen von barrierefreiem Internet runter gebetet. Vor allem wenn es um die Zielgruppen ging, war meistens von den anderen die Rede. Migranten, Senioren, behinderte Menschen im Allgemeinen, Sehbehinderte und blinde Menschen im Speziellen.

Natürlich dachte man auch an motorisch gestörte Menschen, oder auch hörbehinderte und gehörlose Menschen. Aber irgendwie selten an sich selbst. Natürlich ist einem bewusst, dass man jederzeit ebenfalls von den Errungenschaften moderner Kommunikationstechnologie profitieren könnte, wenn es darauf ankäme. Meistens denkt man dabei allerdings an extreme Situationen! Ein Unfall, eine Erkrankung, irgendein einschneidendes Erlebnis, das unser Leben auch in Bezug auf die Nutzung moderner Technik komplett verändern würde. Aber es müssen nicht immer Extremsituationen sein.

10 Fingersystem und Sehnenscheidenentzündung 

Nicht erst seit wir den Barrierekompass betreiben, habe ich mir das 10 Fingersystem zum schnelleren Tippen von langen Texten angewöhnt. Leider musste ich feststellen, dass das 10 Finger-Schreibsystem zu einer äußerst unangenehmen Sehnenscheidenentzündung in beiden Armen geführt hat, an der ich seit geraumer Zeit laboriere. In Anbetracht der Tatsache, dass wir den Barrierekompass im Bereich Aktuelles als Weblog führen, stellt die Sehnenscheidenentzündung eine erhebliche Beeinträchtigung meiner Arbeitsfähigkeit dar. Insofern musste eine Lösung her. Die Lösung sollte meine Arme entlasten und mir dennoch das Schreiben ermöglichen. Eine Diktiersoftware versprach Abhilfe.

Nachdem die Entscheidung klar war, haben wir uns nach einer entsprechenden Software umgesehen und für ein Produkt von ScanSoft entschieden. Dragon NaturallySpeaking. Das Softwarepaket ist heute pünktlich bei uns eingetroffen und frei nach dem Motto "Es gibt nichts Gutes, außer man tut es" ist dieser Text auch gleichzeitig meine erste Übung zum Umgang mit einer Diktiersoftware, die mir beim Kurieren meiner Sehnenscheidenentzündung helfen soll. Und mein Eindruck ist positiv. Die ersten Übungsaufgaben waren einfach und einprägsam, doch schnell war klar, der Chef ist die Software. Soll heißen: die Software ist immer nur so gut, wie derjenige, der sie bedient. In gewisser Weise muss man bereit sein, seine gesamte Arbeitsweise nach der neuen Software auszurichten. Und wie es der Hersteller selber etwas augenzwinkernd sagt, Brüllen und Anschreien hilft bei der Software wenig. Man muss zusammen mit der Diktiersoftware üben, man muss die Diktiersoftware trainieren und muss der Software helfen, sich auf die eigene Stimme einzustellen. Und eins lernt man schnell, ein falscher Befehl ist ein falscher Befehl. Auch die Diktiersoftware schreibt nichts, was man ihr nicht aufgetragen hat.

Zum Glück gibt es assistive Technologien 

Es hilft sicherlich, wenn man bestimmte Erfahrungen selber macht. Und es muss nicht immer eine Erfahrung sein, die das Leben verändert. Um zu verstehen, wie wichtig assistive Technologien für Menschen mit Beeinträchtigung sind, kann auch eine Sehnenscheidenentzündung und eine temporäre Teilarbeitsunfähigkeit "hilfreich" sein. Ob Sie es glauben oder nicht, plötzlich nicht mehr uneingeschränkt auf die Kraft der eigenen Hände zurückgreifen zu können, war irritierend. Noch irritierender ist es, Texte plötzlich mithilfe einer Diktiersoftware zu schreiben. Mehr denn je kann ich heute verstehen, was assistive Technologie leisten kann. 

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