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An alle gedacht: neue Internetpräsenz der CDU

23. April 2004

Die CDU hat ihr Online-Angebot vollständig überarbeitet. Während bisher der Relaunch von politischen Internetseiten - bei allen Parteien - häufig allein nach Design-Gesichtspunkten konzipiert und entschieden wurde, sind für die Überarbeitung von www.cdu.de erstmals umfassend Anregungen und Meinungen der Internet-Nutzer berücksichtigt worden.

Mit dem heutigen Relaunch ist die Anpassung an die Bedürfnisse und Wünsche der Nutzer keinesfalls abgeschlossen. Die Besucher der Seiten sind aufgerufen, Wünsche zu äußern und Verbesserungsvorschläge zu benennen. Damit will die CDU als erste Partei in Deutschland einen vollständig auf die Nutzerwünsche zugeschnittenen Internet-Auftritt realisieren.

Doch auch hinter den Kulissen hat sich bei der CDU einiges getan. Während die Seiten des CDU-Online-Angebotes bisher von Hand gepflegt wurden, wird nun das Content Management System RedDot genutzt. Damit ist auf technischer Seite ein wichtiger Baustein für die Erreichung von Barrierefreiheit, wie sie auch vom CDU-Fachmann für Barrierefreiheit Hubert Hüppe gefordert wird, in das Konzept einbezogen worden. Doch auch in Punkto Navigation zeigt sich die Seite deutlich verbessert. Während früher 15 Navigations-Punkte verwendet wurden, kommt der neue Auftritt mit weniger als der Hälfte aus und entspricht somit der gängigen Siebener-Regel (für sieben Navigations-Punkte), die von Usability-Experten, wie Jakob Nielsen, vertreten wird.

In der aktuellen Pressemitteilung zum Relaunch der Seiten geht die CDU aber noch einen Schritt weiter:

Der neue Webauftritt der CDU wurde auch mit Blickrichtung auf die Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz (Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung − BITV) entwickelt. Die darin enthaltenen Anforderungen der Prioritäts-Stufen I und II sind weitgehend umgesetzt. Im Rahmen der Weiterentwicklung des Internet-Auftrittes werden noch fehlenden Anforderungen sukzessive erfüllt.

Leider nicht ganz. Der Ansatz ist richtig, wichtig und vom Gedanken her vorbildlich - hoffentlich auch für andere Parteien, Institutionen und Verbände, die sich immer noch ducken und verstecken, ohne Flagge zu bekennen. Wir möchten die CDU nicht in Schutz nehmen, sondern lediglich festhalten, dass die Richtung des neuen Auftrittes stimmt. Und wenn die Weiterentwicklung direkt vom Start an auf Barrierefreiheit ausgerichtet und konsequent weitergeführt wird, dann wird sich sicherlich nicht nur Herr Hüppe freuen, sondern alle Benutzer der Internetseiten mit ihm. Doch bis dahin ist es noch ein gutes Stück des Weges. Zur Zeit validieren die Seiten der CDU weder im Bereich HTML, noch in Bezug auf CSS. Alternativtexte für Bilder und Grafiken sind durchgehend gesetzt, wobei RedDot die Redakteure hierbei durch zwingende Eingabemasken unterstützt. Leider ist der Sinngehalt der Beschreibungstexte nicht immer ausreichend, aber das wollen wir gar nicht wirklich kritisieren. Die größten Schwächen offenbart der neue Auftritt überall dort, wo Formulare im Spiel sind. Dort wurde leider allzu sorglos gearbeitet und so verwundert es nicht, dass Labels nicht den entsprechenden Feldern zugeordnet wurden, sondern quasi im luftleeren Raum hängen, weil schlicht und einfach der Bezug zueinander nicht hergestellt wurde. Wir ersparen Ihnen den entsprechenden Quelltext, denn die Experten unter Ihnen werden ohnehin schon entdeckt haben, was wir meinen.

Zudem kommt die Seite leider nicht ganz ohne JavaScript aus und setzt überdies einzig auf onClick-Auslöser für einzelne Funktionen, wie beispielsweise das Ausdrucken einer Seite. Warum es beim Ausdruck der Seite keine Druckvorschau gibt und kein eigenständiges Druck-Layout, bleibt wohl auch das Geheimnis der Programmierer. Statt dessen werden beim Ausdruck der Startseite 3 Blatt Papier benötigt, wobei die erste Seite lediglich mit den Worten "Online-Adresse dieser Seite: www.cdu.de/index.htm" bedruckt wird, aber das hat der Browser ohnehin schon in die Kopfzeile gedruckt. Schlimmer ist jedoch, dass nicht der gesamte Inhalt ausgedruckt wird, sondern nur der untere Teil der Seite. Der Leitartikel wurde komplett verdrängt und auch die Spalte rechts außen wird nicht gedruckt. Nun gut, das mag nur all jene interessieren, die nicht mit dem Internet Explorer ins Netz gehen, aber das sind ja auch ein paar Wählerstimmen. Für das Finale haben wir uns einen besonders gravierenden Fehler der Seite aufgehoben. Denn offensichtlich zählen stark sehbehinderte Menschen nicht zur Zielgruppe der CDU, oder wie sonst soll man erklären, dass Schriften nicht skalierbar sind und wenn man es dann doch mit Gecko-Browsern tut, dann verschwinden bereits bei 120% Vergrößerung alle Inhalte wie von Geisterhand vom Bildschirm.

Wie gesagt: die Schlagrichtung stimmt und wir haben in der Vergangenheit viele schlechtere Auftritte zu sehen bekommen. Für einen BIENE-Award reicht es bei der CDU noch nicht, aber wenn man ebenso fleißig ist, wie die emsigen Tiere, dann klappt es vielleicht noch bis zum Abgabetermin am ersten August. Eine Nachfrage bei der CDU wurde uns von der Pressestelle umgehend beantwortet. Dort ist man sich der Probleme durchaus bewusst und kennt scheinbar nicht nur die Tücken von CSS, sondern sichtet auch die eigenen Statistiken, die mehr als 95% Internet Explorer Nutzer ausweisen. Trotz allem, so der Tonus der Antwort, möchte man sich bei der CDU darauf nicht ausruhen und bittet die Accessibility-Community, um etwas Zeit. Wir schauen in ein paar Wochen nochmals vorbei und sehen nach, was passiert ist.

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