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Neuer PAC-Test – PDF Accessibility Checker 2021

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Wer sich mit dem Thema barrierefreie PDF beschäftigt, kommt um den PDF/UA Standard und den so genannten PAC-Test nicht herum (PDF/UA ist ISO-Standard 14289. Das UA in PDF/UA steht übrigens für Universal Accessibility). Der PAC-Test (PAC steht für PDF Accessibility Checker) prüfte bisher 87 maschinell prüfbare Bedingungen des, dem PDF/UA Standard zugrunde liegenden, Matterhornprotokolls (47 Bedingungen des PDF/UA Standards waren bisher nur manuell prüfbar). Mittlerweile gibt es den PAC-Test in der dritten Version (PAC 3.0) und seit kurzem steht eine Beta-Version dieses etablierten Test-Tools zum Download zur Verfügung – der PDF Accessibility Checker (PAC) 2021. Mit dem neuen PAC-Test sollen 108 Testkriterien innerhalb des Matterhorn-Protokolls maschinell (also automatisch) geprüft werden können.

PAC-Test zieht zur PDF/UA Foundation

Über ein Jahrzehnt wurde der PAC-Test von der Schweizer Stiftung Access-for-All kostenlos bereitgestellt (und ständig weiterentwickelt). Seit 2021 hat der PAC-Test jetzt ein neues Zuhause. Die PDF/UA Foundation, eine 2021 gegründete gemeinnützige Organisation, führt den Test weiter und bietet diesen wie gehabt kostenlos zum Download an – aktuell noch in einer Beta-Version. Interessierte können sich das Test-Tool aber jetzt schon herunterladen, denn Feedback ist explizit erwünscht.

PDF/UA + WCAG = PAC-Test 2021

Ich habe über viele Jahre in verschiedenen Artikeln darauf hingewiesen, dass der PDF/UA Standard kein alleiniger Standard für barrierefreie PDF-Dokumente ist – logischerweise konnte der PAC-Test allein (ohne manuelle Prüfung und Berücksichtigung weiterer Prüfschritte) auch nicht die Barrierefreiheit von PDF-Dokumenten bestätigen. Ein Umstand, der leider sehr oft missachtet wurde – nicht zuletzt, weil von vielen Seiten PDF/UA (Standard für Barrierefreiheit von PDF) und WCAG (Web Content Accessibility Guidelines – Standard für Barrierefreiheit im Web) voneinander losgelöst betrachtet wurden.

Die teilweise hitzige Debatte entzündete sich häufig beim sogenannten Umfließen-Modus im Adobe Acrobat Reader. Verlangt doch der WCAG 1.4.10 Reflow eine Vergrößerungsmöglichkeit von Text-Inhalten um 400 Prozent, ohne dass es zu horizontalem Scrollen kommt. Mit dem Umfließen-Modus eigentlich problemlos machbar. Und auch alternative Reader, wie der VIP-Reader, erlauben eine solche Darstellung.

PDF/UA prüft technische Barrierefreiheit – WCAG prüft inhaltliche Barrierefreiheit

Wie dem auch sei, der PDF Accessibility Checker 2021 der PDF/UA Foundation kommt jetzt mit einer Neuerung, die dieser leidigen Diskussion (PDF/UA ist für PDF und WCAG ist nur für Web) hoffentlich den Nährboden entzieht. Der neue PAC-Test beinhaltet nämlich nicht nur einen PDF/UA Test, sondern gleichzeitig auch einen WCAG-Test. Zwar lassen sich, wie beim PDF UA-Standard auch, nicht alle WCAG-Kriterien automatisch überprüfen, aber durch die Kombination der beiden Standards im PAC-Test wird endlich klar kommuniziert: PDF/UA alleine reicht für Barrierefreiheit nicht aus.

Die PDF/UA Foundation schreibt dazu: PDF/UA ist komplementär zur WCAG und schließt die Lücke zwischen PDF-Spezifikation und den internationalen Anforderungen für barrierefreie Inhalte, wie in den WCAG beschrieben. Der PDF/UA konzentriert sich auf technische Barrierefreiheit von PDF und die WCAG decken alle inhaltlichen und Layout bezogenen Aspekte der Barrierefreiheit ab – zum Beispiel Farbkontraste. Das war schon immer so, wird aber jetzt auch endlich kommuniziert. In Europa kann man übrigens „WCAG“ auch durch „Kapitel 10 der EN 301549“ ersetzen. Die PDF/UA Foundation referenziert nämlich nur die WCAG, weil sie ein internationales Publikum anspricht und die WCAG nun mal international Gültigkeit haben. In Europa gilt aber, nicht nur in Bezug auf Dokumenten-Barrierefreiheit, die EN 301549.

PDF/UA + WCAG + Usability

Die PDF/UA Foundation ist aber nicht nur in Bezug auf PDF/UA und WCAG den richtigen Schritt gegangen. Sie hat sich konsequent sogar noch einen Schritt weiter getraut. Wer sich mit den Spezifikationen für Barrierefreiheit (und digitaler Barrierefreiheit allgemein) auskennt, wird feststellen, dass PDF/UA und WCAG alleine auch nicht alles abdecken, was potenziell zu einer Barriere führen könnte. Auch die Usability spielt eine Rolle.

Ein Beispiel dafür wäre eine Mindestschriftgröße, die nirgendwo vorgeschrieben ist. Man könnte also beispielsweise ein PDF/UA und WCAG konformes PDF-Dokument barrierefrei nennen, auch wenn der Lesetext nur 4 Punkt groß und ohne Lupe gar nicht lesbar wäre. Man könnte das Spiel noch weitertreiben und den ohnehin kaum lesbaren Text in 4 Punkt Größe zusätzlich in Versalschreibweise in einer Spirale anordnen. Das würde sicherlich zu einer fast 100-prozentigen Barriere für sehr viele Menschen führen. Wäre aber nach den Spezifikationen barrierefrei, wenn man es technisch und gestalterisch richtig umsetzt.

Medienkonvergenz verlangt Grundwissen in Barrierefreiheit

Die PDF/UA Foundation schreibt auf ihrer Website, dass neben PDF/UA Standard und WCAG Richtlinien noch grundlegende Usability-Aspekte berücksichtigt werden müssen, um wirklich für Barrierefreiheit zu sorgen. Das ist ein sehr erfreuliches Statement, verlangt aber zukünftig von Designerinnen und Designern im Printbereich deutlich mehr Grundlagenwissen über digitale Barrierefreiheit und Usability – eigentlich ein Wissen, das man eher im Bereich Webdesign verordnen würde. Aber so ist das halt mit der Medienkonvergenz. Menschen, die auf Barrierefreiheit angewiesen sind, wird es jedenfalls freuen.

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