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Warum wir Bobby den Laufpass geben

28. Januar 2004

In den achtziger Jahren sorgte ein Bobby für Furore in Deutschland. Zwischen Erdöl und Intrigen schlüpfte der Schauspieler Patrick Duffy in die Rolle des Bobby Ewing und agierte Woche für Woche in der sehr populären Fernsehserie "Dallas"; neben anderen Größen des amerikanischen Filmgeschäfts. Jeder mochte Bobby. Bis zu seinem jähen Ende und dem damit verbundenen Abdanken aus der Serie durch seinen filmischen Tod.

Wer sich für barrierefreies Internet interessiert, wird den Namen Bobby auch schonmal vernommen haben. Gemeint ist jenes Prüfprogramm, das für die Überprüfung von Internetseiten zur Verfügung steht und den meisten Webseiten-Gestaltern ein Buch mit sieben Siegeln ist. Kryptische Kommentare zur eigenen Internetseite gehören ebenso zum Programm, wie eigenwillige Interpretationen der W3C-Richtlinien für barrierefreies Internet.

Sich an Bobby zu richten muss gar nicht verkehrt sein, zumindest nicht, wenn man ein dreifaches A als Button mit nach Hause nehmen kann, dass sogenannte 'Triple A'. Zwar muss man dafür einige Abstriche in Kauf nehmen, aber letztlich möchte man ja auch möglichst barrierefrei dastehen. Bisweilen muss man dazu allerdings bizarre Kreationen in den Quelltext einer HTML Seite integrieren.

Beispielsweise die unterschiedliche Benennung von Hyperlinks, die den gleichen Linktext enthalten. Also zum Beispiel 'Beitrag kommentieren' in unserer Rubrik Aktuelles. Hier empfiehlt Bobby, jeden Link über das Title-Attribut zu unterscheiden, so dass sich ein Linktext à la 'Link: Beitrag Nummer 68 kommentieren' ergibt. Doch damit nicht genug, denn auch der Text, dem der Link zugewiesen wird, muss geändert werden. So wird aus 'Beitrag kommentieren' der Linktext 'Beitrag Nummer 68 kommentieren'. Die Hilfeseiten des W3C, die Internetgestaltern die Richtlinien der WCAG näherbringen sollen, kümmern sich darum wenig, wie im übrigen auch die wenigsten Gestalter von Internetseiten. Hintergrund der Bobby-Schikane ist ein durchasu nachvollziehbares Problem: Links mit einer Beschreibung wie 'bitte hier klicken' fehlt für sehbehinderte oder blinde Menschen eine nachvollziehbare Erläuterung. Gleichnamige Links können diese Menschen daher durchaus in die Irre führen. Trotzdem führt Bobbys dogmatische Programmierung zu unsinnigen Fehlermeldungen. Denn es gibt durchaus Fälle, in denen gleichnamige Links Sinn machen würden. Wie in unserem Beispiel im Bereich Aktuelles: Unter jedem Artikel würde normalerweise 'Beitrag kommentieren' statt 'Beitrag Nummer 68 kommentieren' stehen.

Aber es geht noch schlimmer. Ähnlich bizarr wie Bobby aus der Fernsehserie 'Dallas' verhält sich das Prüfprogramm seit einigen Wochen und weist "a name='dallas'", also eine Sprungmarke in einer HTML-Seite innerhalb einer Seite, als Fehler aus. Merkwürdig nur, dass sich Bobby in seinem Test auch wünscht, dass man lokale Sprungmarken setzt, um innerhalb einer Seite zum Beispiel die Navigation überspringen zu können und so direkt zum Inhalt zu gelangen. Übrigens zeigt auch ein Verweis in der Fehlermeldung von Bobby auf Punkt 13.1 der W3C-WAI-Richtlinien keinen Hinweis auf einen Verstoß an. Im Gegenteil. Für uns bleibt also nur festzustellen, dass das Prüfprogramm Bobby zwar hilfreich ist, aber dem Profi einige Kopfschmerzen bereiten kann. Unter dem Strich ist es nur ein Programm, das tut, was Programmierer ihm eingeimpft haben. Auch wenn es keinen Sinn ergibt.

Diese und andere Kapriolen und Mißverständlichkeiten von Bobby haben dazu geführt, dass wir uns an dieser Stelle von einem treuen Wegbegleiter verabschieden und uns noch mehr dem Dialog mit Benutzern und Betroffenen widmen. Aber anders als in 'Dallas' muss Bobby nicht sterben, um auszuscheiden. Es gibt wichtigere Faktoren, als ein 'Triple A' als Auszeichnung auf der Seite - Menschen. Wir freuen uns immer über Anregungen und Verbesserungsvorschläge, um in Punkto Barrierefreiheit richtungweisend zu bleiben. Nutzen Sie unser Umfrageformular, damit wir kontinuierlich besser werden. Im Sinne Ihrer Barrierefreiheit.

Vielleicht kehrt Bobby ja wieder zurück. Wie einst in 'Dallas'. Bis dahin sagen wir leise Servus und entfernen den Bobby-Button von unserer Seite.

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Barrierefreies Internet

anatom5 engagiert sich mit dem Best of Accessibility Symposium und als Betreiber des Online-Magazins Barrierekompass schon lange und intensiv für Barrierefreiheit im Internet. Mit dem mittlerweile über 2000 Mal durchgeführten Barriere-Check verfügt die Düsseldorfer Agentur zudem über ein Testverfahren, das vielen Betreibern von Internetseiten einen guten Einstieg in die Materie "Barrierefreies Webdesign" liefert.

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