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Shopify: Accessibility ohne Accessibility-Team

9. Mai 2017

Wenn die Leiterin eines Frontend-Development-Teams von Shopify einen Blogeintrag mit der Überschrift "Creating an Accessible Culture" veröffentlicht, dann ist das Interesse beim Barrierekompass geweckt. Insbesondere, wenn direkt zu Beginn des Artikels darauf hingewiesen wird, dass es kein separates Accessibility-Team für dieses Vorhaben gab und es auch keine Anordnung "von oben" war.

Das Projekt "Creating an Accessible Culture" hat einfach mit ein paar engagierten Mitarbeitern begonnen, die in separaten Produktteams gearbeitet und sich aus eigenen Stücken des Themas angenommen haben – und damit im Grunde auch der Mission von Shopify gefolgt sind: "Making Commerce better for everyone". Diese anfängliche Gruppe hat ihren Fokus auf zwei Dinge gelegt: Accessibility zu verbessern und immer mehr Mitarbeiter bei Shopify mit dem Thema Accessibility in Kontakt zu bringen. Recht schnell stellte sich heraus, die meisten Entwickler und Designer waren mit Barrierefreiheit nicht vertraut. Vielmehr wurden herrschende Missverständnisse deutlich, wie zum Beispiel, Accessibility würde zu einer Reduzierung der Funktionalitäten und der Kreativität des Designs führen. Ein frühes Ziel der Gruppe war es daher, erst einmal diese Mythen aus dem Weg zu räumen, zu veranschaulichen, wie bereits kleine Änderungen Wirkung zeigen können und zu vermitteln: Jeder kann direkt mit der Umsetzung beginnen, auch, wenn er kein Experte auf dem Gebiet der Barrierefreiheit ist.

Shopifys Vorgehensweise für mehr Accessibility

Monika Piotrowicz (Leiterin Frontend-Development) erklärt in fünf Schritten, wie durch ein paar neue und bestehende Initiativen, die Gruppe der Accessibility-Verbündeten und -Experten bei Shopify stetig gewachsen ist. Ausführlichere Beschreibungen der einzelnen Schritte finden Sie im Blogeintrag in englischer Sprache.

Barrierefreiheit als Unternehmenskultur fest verankern

  1. Thema bekannt machen und den täglichen teamübergreifenden Austausch fördern: Bei Shopify halfen verschiedene Instrumente, den Austausch zu fördern, wie zum Beispiel der Team-Messenger "Slack" mit einem entsprechenden #a11y Kanal, eine Gruppe bei GitHub und die Bereitstellung einer Liste der gängigsten Accessibility-Vorgaben, die jeder direkt bei seiner Arbeit berücksichtigen konnte. Alles mit dem Ziel, vor allem Vorbehalte abzubauen und die Einstiegsbarrieren für Entwickler und Designer zu senken.
  2. Einsatz und Bereitstellung von barrierefreien Vorlagen und Bibliotheken: Um bei Shopify für das Thema Accessibility team- und standortübergreifend breite Unterstützung zu gewinnen, wurde unter anderem auf wiederverwendbare und barrierefreie Pattern-Bibliotheken gesetzt. Diese vom UX-Team entwickelten Bibliotheken enthielten bereits viele User-Interface-Komponenten, die von den verteilten Teams über verschiedene Anwendungen hinweg ohne Reibungsverluste eingesetzt werden.
  3. Die Theorie erlebbar machen – Praxisbezug herstellen: Neben dem Austausch und der grundsätzlichen Bereitstellung von niedrigschwelligem Informationsmaterial, bestand ein weiteres Ziel darin, das Thema Accessibility erlebbar zu machen. Accessibility ist nicht für eine theoretische Zielgruppe gedacht, sondern für reale Menschen, die ein Produkt nutzen. Aus diesem Grund begann die Accessibility-Gruppe bei Shopify damit Nutzer-Tests durchzuführen. Ein wichtiger Aspekt war, dass diese Tests über alle Offices hinweg live gestreamt werden konnten und somit jeder Mitarbeiter daran teilhaben konnte. Live zu sehen, wo Nutzer Probleme mit dem eigenen Produkt haben, hat das Team angetrieben.
  4. Erfahrungen und Lernerfolge teamübergreifend teilen: Es gibt unterschiedlichste Möglichkeiten, das erarbeitete Wissen teamübergreifend mit anderen Mitarbeitern zu teilen. Sei es in Form von wöchentlichen Meetings aller Frontend-Development-Abteilungen oder aber in Form regelmäßiger Präsentationen, in denen Accessibility-Knowhow mit einem breiteren Publikum geteilt wird. Standort- und teamübergreifender Wissenstransfer verhindert, dass verschiedene Abteilungen den mühsamen Weg über "Trial & Error" mehrfach und parallel gehen müssen.
  5. Ständige Weiterbildung und Verbesserung der eigenen Expertise: Last but not least, nachdem die Basis auf breiter Ebene erst einmal geschaffen war, galt es den Anspruch in Bezug auf Barrierefreiheit immer höher zu setzen. Regelmäßige Meetings und Verantwortung innerhalb der Teams sollten dafür sorgen, dass der eingeschlagene Weg beibehalten wird. Noch immer gibt es kein explizites Accessibility-Team bei Shopify. Jeder arbeitet weiterhin an seinen spezifischen Aufgaben. Aber durch die verschiedenen (beschriebenen) Instrumente ist die Verantwortlichkeit für Barrierefreiheit im jeweiligen Aufgabengebiet bei allen Projektbeteiligten und Teams fest verankert.

Der oben beschriebene Blogeintrag ist der letzte aus einer Serie von sieben Artikeln zum Thema Accessibility, die das Shopify UX-Team letztes Jahr veröffentlicht hat.

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