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Google befiehlt, wir folgen nicht

20. Januar 2005

Wie kürzlich auf Einfach für Alle berichtet und auch uns schon länger bekannt, treiben diverse Spammer ihr Unwesen nun auch in Weblogs mit Kommentar-Funktion. Das ist so neu nicht, bekommt aber angesichts der Tatsache, dass sich nun Google, Yahoo und Microsoft der Thematik angenommen haben, einen ungeahten Medien-Hype.

Worum es geht

Es geht um Suchmaschinen, Ranking, Backlinks und all die schönen bunten Begriffe des Suchmaschinen-Marketings. Kommentar-Spam funktioniert so: Ein automatisches Programm durchsucht das Internet nach Weblogs eines bestimmten Herstellers und befüllt kurzerhand im Schnelldurchgang alle Artikel mit einem Kommentar und einem Link auf ein bestimmtes Angebot. In der Regel finden sich hier die gleichen Spam-Produkte wieder, wie auch bei E-Mails: Online-Casinos, Viagra und dergleichen mehr. Die Rechnung der Spammer beruht auf einem Algorithmus, der mit der Popularität bestimmter Internetseiten zusammenhängt. Weblogs sind zumeist mit einer hohen Popularität gesegnet. Folgerichtig würden die Spammer hiervon profitieren, wenn ein Link von einer populären Seite auf die von ihnen beworbene Seite zeigen würde. Dieser Prozess multipliziert mit Millionen von Weblogs und schon ist klar, was hier passiert.

Spam-Abwehr

Kommtar-Spam abzuwehren ist nicht allzu schwierig, wenn man sein Weblog auf dem aktuellesten technischen Stand hält. Wir haben das am eigenen System erfahren dürfen und sind nun besser gegen Spammer geschützt durch mehrere Systeme, die ineinandergreifen. Zum einen profitieren wir von einer Blacklist, wo auffällige Spammer oder Spam-Wörter auftauchen, zum anderen können wir aber auch auf einen Modus umschalten, der nur von uns autorisierte Kommentare durchlässt. Bisher haben wir auf diese Funktion verzichtet, würden aber bei stärkerem Spam-Befall sofort umschalten. Letzte Möglichkeit: das Kommentieren ganz verbieten, wenn es nicht anders geht. Auch das mussten wir schon tun, bevor wir die Abwehr richtig aufgestellt hatten.

Das Google-Prinzip

Um Spammern das Wasser abzugraben hat Google eine tolle Idee: Man nehme das Attribut rel und versehe es mit dem Wert nofollow. Das ergibt dann ein rel="nofollow" und soll das Vererben von Popularität (bei Google nennt sich das PageRank) verhindern. Das Spam-Problem wäre damit wohl nicht gelöst, dafür aber viele ehrliche Kommentierer bestraft. Und noch etwas schimmert hindurch: Google und die anderen Suchmaschinen-Anbieter hätten ein Mittel, um Weblogs eindeutig zu identifizieren und entsprechende Maßnahmen einzuleiten. Denn bisher hat Google keine Möglichkeit, Weblogs zu identifizieren und entsprechend zu bewerten. Das dürfte dem Neu-Börsianer ein Dorn im Auge sein.

Barrierefreiheit und Google

Vielleicht ist Google doch nicht mehr der beste Freund. Denn mit dem Griff nach dem rel-Attribut hat man sich scheinbar auch vergriffen, wie auf den Seiten von Webpropaganda zu lesen ist:

Die HTML4-Spezifikation sagt zum Link-Attribut rel sinngemäß: Dieses Attribut beschreibt die Beziehung des aktuellen Dokumentes zum verlinkten Dokument, das im href-Attribut festgelegt ist. (HTML 4.01 Specification.) nofollow existiert in diesem Zusammenhang nicht. [...] Semantisch gesehen irgendwie blödsinnig, denn die Beziehung zwischen zwei Dokumenten als "nicht folgen" zu bezeichnen...

Zudem können Konflikte entstehen, wenn man mit den Attributen rel="external" oder rel="internal" arbeitet und diese nicht mehr verwenden kann, weil schon rel="nofollow" belegt ist.

Fazit

Nein, das Gelbe vom Ei ist die Google-Lösung nicht. Sie zielt vielleicht auch in eine ganz andere Richtung und nutzt nur die Gunst der Stunde. Zudem wird hier eine unverhältnismäßige Gleichmacherei angestrebt, die ehrenwerte Kommentare und Verlinkungen bestraft. Überdies wird das Problem der Spam-Kommentare nicht gelöst, es wird nur das Prinzip Unwissenheit durch das Prinzip Hoffnung ersetzt. Oder wie der Volksmund so schön sagt: "Das ist wie mit Kamillentee. Es hilft nicht, es schadet aber auch nicht."

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