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Barrierefreiheit Testverfahren

11. Mai 2004

Das AbI-Projekt, in dem wir als Unterstützer tätig sind, entwickelt zusammen mit seinen Partnern, darunter zum Beispiel das Forschungsinstitut Technologie-Behindertenhilfe (FTB) und das Institut für Informationsmanagement Bremen (ifib), ein einheitliches Testverfahren zur Untersuchung von Barrierefreiheit von Internetseiten.

Bei dem Testverfahren handelt es sich um eine Testempfehlungen zur Durchführung von Vorprüfungstests. Entwickelt wird ein dreistufiges Verfahren:

  1. Vorprüfungstest
  2. BITV Kurztest
  3. Hauptprüfung 

Der Vorprüfungstest dient dazu, eine erste Einschätzung des Webangebots zu liefern. Der Test ist zeitlich stark begrenzt. Es wird lediglich eine kleine Stichprobe betrachtet, in der nach unterschiedlichsten Barrieren aus den Bereichen Wahrnehmbarkeit, Bedienbarkeit, technologische Robustheit und Verständlichkeit gesucht wird. Eine vollständige Überprüfung der BITV findet nicht statt.

Der BITV-Kurztest wird durchgeführt, wenn die im Vorprüfungstest aufgeführten Barrieren der Seite beseitigt worden sind, und die Betreiber der Seite sich intensiver mit dem Thema "Barrierefreies Webdesign" und der BITV beschäftigt haben. Hierbei wird nicht das gesamte Angebot, sondern lediglich eine Stichprobe von Seiten betrachtet, die jedoch im Gegensatz zum Vorprüfungstest einem vollständigen BITV-Test unterzogen wird. Werden die Seiten der Stichprobe mit Hilfe des Testergebnisses überarbeitet, sollten diese anschließend barrierefrei sein. Auf alle anderen Seiten des Angebots, die nicht betrachtet worden sind, soll der Betreiber des Angebots die Testergebnisse selbständig übertragen. Eine Empfehlung zur Durchführung von BITV-Kurztests hat das Aktionsbündnis bisher nicht veröffentlicht, diese wird jedoch zur Zeit erarbeitet.

Die Hauptprüfung des Angebots könnte als Grundlage für eine Zertifizierung des Angebots dienen und enthält zusätzlich Hinweise auf die Selbstverpflichtung des Anbieters, sich ständig um die Einhaltung der Anforderungen, die ein barrierefreies Angebot erfüllen muss, zu halten. Eine Hauptprüfung sollte erst durchgeführt werden, wenn ein erfolgreicher Kurztest durchgeführt worden ist. Die Hauptprüfung sollte in regelmäßigen Abständen wiederholt werden. Das Aktionsbündnis hat bisher keine Empfehlungen hierzu veröffentlicht.

Das AbI-Projekt hat jetzt die erste Stufe des dreistufigen Verfahrens veröffentlicht. Die sogenannte Vorprüfungstest-Empfehlung ist online über das Informationsportal des Aktionsbündnisses (siehe oben) verfügbar. Ziel des empfohlenen Vorprüfungstests ist, einen ersten Eindruck von der betrachteten Website zu erhalten. Mit Hilfe dieses Vorprüfungstests kann allerdings noch nicht festgestellt werden, ob ein Internetangebot allen Anforderungen der Barrierefreien Informationstechnik-Verordnung BITV gerecht wird.

Mit Hilfe der im Rahmen des Vorprüfungstests erstellten Dokumentation können Betreiber von Webseiten anhand der exemplarisch auf den Seiten der Stichprobe aufgezeigten Barrieren ihre Site von Barrieren befreien. Insofern stellt die Dokumentation der Testergebnisse eine erste Unterstützung für die Überarbeitung der eigenen Seiten dar. Da die Testdokumentation des Vorprüfungstests keine konkreten Hinweise dazu enthält, wie jede einzelne Barriere individuell auf der betrachteten Seite behoben werden kann, gibt es in der Dokumentation eine Liste mit Verweisen auf online verfügbare Informationsseiten, die bei der Korrektur der Seiten hilfreich sind. Die Testdokumentation kann auch als Basis für einen Beratungsprozess genutzt werden.

Der Vorprüfungstest kann von einer einzelnen Person durchgeführt werden, Erfahrungen in folgenden Bereichen sind aber Voraussetzung:

Erforderliche Erfahrungen:

  • Barrierefreie Informationstechnik-Verordnung
  • Erfahrungen im Umgang mit unterschiedlichen Browsern
  • Benutzung unterschiedlicher Evaluierungstools zur Überprüfung der Zugänglichkeit von Internetangeboten und Kenntnisse über die Grenzen der eingesetzten halb-automatischen Evaluierungstools

Erwünschte Erfahrungen:

  • Internet Markup-Sprachen
  • Kenntnis der WCAG 1.0 und des Dokuments "Techniken für WCAG 1.0"
  • Benutzung von assistiven Technologien
  • Webdesign und Entwicklung
  • Grundkenntnisse über "einfache Sprache"

Übrigens hat der Erfahrungsaustausch mit der niederländischen Initiative Drempels weg zu der Erarbeitung der vorliegenden Testempfehlung beigetragen. Da wir schon mehrfach über die Initiative Drempels weg berichteten, freuen wir uns, dass offensichtlich auch auf der Ebene offizieller Testverfahren ein europäischer Austausch stattfindet. Hoffentlich begeht man aber nicht die Fehler, die unsere niederländischen Nachbarn in letzter Zeit häufiger beklagen: Unternehmen, die sich nämlich mit einem offiziellen "Drempels weg Zertifikat" schmücken durften, zeigten wenig Sinn für Nachhaltigkeit. Vielleicht wird es in Zukunft ja tatsächlich eine Art Prüfsiegel für Barrierefreiheit geben, dann aber bitte mit Zeitstempel und Ablaufdatum.

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Barrierefreies Internet

anatom5 engagiert sich mit dem Best of Accessibility Symposium und als Betreiber des Online-Magazins Barrierekompass schon lange und intensiv für Barrierefreiheit im Internet. Mit dem mittlerweile über 2000 Mal durchgeführten Barriere-Check verfügt die Düsseldorfer Agentur zudem über ein Testverfahren, das vielen Betreibern von Internetseiten einen guten Einstieg in die Materie "Barrierefreies Webdesign" liefert.

Wenn Sie Hilfe bei der Planung und Umsetzung von barrierefreien Online-Projekten benötigen, sollten Sie uns ansprechen.